Teil eines Werkes 
9. Band, Thomas Thyrnau : 3. Theil (1855)
Entstehung
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Als nun Frau Grimſchütz anfing einzuſehen, daß ihr Widerſtand gegen höhere Perſonen ſich richten müſſe, als die bisherigen Gegenſtände ihrer üblen Laune, gab ſie nach, und da eine gewiſſe ihr inwohnende Tüchtigkeit nicht zuließ, die Dinge halb anzufangen, wurden Thyrnau's Befehle mit einer ziemlichen Geſchicklichkeit ausgeführt.

Als die Zimmer gekehrt, Tiſche, Stühle und Fenſter ge⸗ waſchen waren und die Glut der Kamine in beiden Zimmern die Luft zu verbeſſern anfing, führte Thyrnau endlich die er⸗ ſchöpfte Magda in ihre neue Behauſung und, wie er vorher gedacht, war ihre erſte Bewegung, nach den Fenſtern zu eilen und mit einem tiefen erleichternden Athemzuge auszurufen: Ach wie grün und ſtill!

Von da an war ihr Alles recht! Sie ſtand ihrer düſtern Frau Wirthin mit ſo anmuthsvoller Behendigkeit bei ihren Be⸗ ſorgungen bei, daß dieſe etwas von ihrer groben Unfteund⸗ lichkeit nachließ, und als Thyrnau einen Theil des nöthigſten Gepäckes von dem Wagen räumen ließ und Magda mit ihrer Hilfe die ſchönen Betten, das feine Leinen und die ſilbernen Geſchirre des täglichen Gebrauchs auspackte, ſtieg in ihr eine Art Reſpekt auf, und ſie fühlte den Widerſpruch mit dem Be⸗ griff, den ſie bisher von Gefangenen hatte geglaubt nähren zu müſſen.

Als die Dinge ſo unter Magda's erwachtem Verſchöne⸗ rungsgeiſt ein erfreulicheres Anſehn gewonnen hatten, öffnete ſich plötzlich die Thür und der junge Offizier trat mit ſeinen feſten ſtolzen Schritten ein. Magda kniete auf dem Boden vor einem zierlichen Koffer, aus dem ſie einige Bücher auspackte; als er aber eintrat, ſprang ſie augenblicklich in die Höhe, lief auf ihren Großvater zu, umklammerte ihn mit beiden Armen und richtete ihre großen dunkeln Augen ſo ernſt und beobachtend auf den jungen Mann, daß dieſer unwillkürlich einen Schritt