Teil eines Werkes 
9. Band, Thomas Thyrnau : 3. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

Hüten Sie ſich, mein Herr! rief Thyrnaumich länger mit Ihren veralteten und über die Grenzen dieſer Mauern hinaus lächerlich gewordenen Rechten zu beläſtigen! Ich bin nicht hierher geſandt, mit verjährten Vorurtheilen einen Kampf zu beſtehn und ich wünſche, um des Herrn Gou⸗ verneurs ſelbſt willen, daß er ſich bald geneigt zeige, mich an⸗ ſtändig zu behandeln dieſe meine Enkelin wird ſich nicht von mir trennen und ich werde vorläufig dieſe unwürdige Wohnung annehmen, denn die Ausgleichung durch den kaiſer⸗ lichen Kourier kann nicht lange ausbleiben!

Sie werden ſich Unannehmlichkeiten zuziehn, entgegnete der Offizierich werde dem Herrn Gouverneur pflichtſchul⸗ dige Meldung machen und verweigere indeſſen nicht, daß Frau Grimſchütz für ihre Erholung Sorge trage.

Er verließ mit kurzem hochmüthigem Gruß das Gemach und der Polizeibote zögerte nur noch ſo lange, ihm zu folgen, bis er der, argwöhniſch die ganze Scene behorchenden Frau Grimſchütz mit einer ihr verſtändlichern Sprache angedeutet, augenblicklich die Zimmer für ſeine Schutzbefohlenen einzu⸗ richten und ihnen alle Hülfe zu leiſten, die ſie bedürfen würden.

Thyrnau ſuchte nun Magda, die in ſprachloſem Er⸗ ſtaunen und Schrecken zuerſt in ihrem Leben von der Härte und Rohheit der Menſchen berührt ward, zu beruhigen, und folgte dann der alten widerwilligen Frau in die ihnen zu⸗ gedachten Zimmer. Sie waren von der tiefſten Armſeligkeit und dem wüſteſten Anſehn aber ein dunkler Gang trennte ſie von dem übrigen Hauſe und ſicherte ihnen Stille und ein kleiner Garten, begrenzt von den grünen Wällen der Befeſtigungen, an denen junges Weidengeſträuch mit ſeinem beweglichen Laube ſpielte, lag vor den Fenſtern aus⸗ gebreitet, und er wußte, dieſer Anblick werde Magda's Herz erleichtern.