ihre Strahlen ab. Der Weg führte durch das Gitterthor bis zur zweiten Eingangspforte durch einen in den Felſen gehauenen, mit Mauerwerk und Schießſcharten verſehenen Weg zum Haupt⸗ eingang und einem gigantiſchen Thore, an welchem das unge⸗ heure Schloß Magda's Erſtaunen anregte. Ueber dieſem Thore erhoben ſich die baufälligen Trümmer der Wenzel⸗Kapelle, auf der nur noch das goldene Kreuz, von neueren Balken geſtützt, zu ſehen war. Durch dieſes Thor traten ſie in den Vorhof der Feſte, wo die Wohnung der Burggrafen ſich zeigte, die jetzt von der minder wichtigen Perſon eines Gonverneurs eingenom⸗ men war, und hier führte ſie ihr Begleiter in einen mit dem Hof durch offene Thüren verbundenen Wachtſaal, in welchem ſich ein Offizier und einige Mann der Beſatzung befanden.
Als der Begleiter der Gefangenen ſeine Meldung gemacht, überlief der Offizier Beide mit einem hochmüthigen Blick, und lachend vor Magda ſtehen bleibend rief er mit wegwerfender Zutraulichkeit:„Nun Kleine, Du biſt ein ſeltenes Stück Be⸗ ſatzung für den Karlſtein— weißt Du nicht, daß den Weiber⸗ röcken verwehrt iſt, hier zu fegen? Daß wir Dich werden aus⸗ quartieren müſſen, oder auf der höchſten Zinne baumeln laſſen, damit der Frevel geſühnt wird?“
„Mein Herr,“ ſagte Thyrnau, während Magda entſetzt zurückwich—„habt die Güte, uns nicht mit Euren Scherzen zu beläſtigen, ſondern meldet uns bei dem Herrn Governeur — wir werden ihn allein anzuhören haben.“
„Tod und Teufel!“ rief der beleidigte Offizier—„ſoll ſo ein Taugenichts, der Straßzeit erleidet, transportirt wird für Gott weiß was für ein Verbrechen, den Mund gegen uns, die allvermögenden Herren der königlichen Feſte Karlſtein, auf⸗ thun? der erſten im Lande— des glorreichſten Dienſtes im Staate? Kannſt Du leſen, alter Burſche, ſo ſollſt Du die er⸗ lauchten Geſchlechter verzeichnet ſehn, die einſt hier den Dienſt


