Teil eines Werkes 
9. Band, Thomas Thyrnau : 3. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5 Grams und dann ſteigſt Du wieder in die Höhe und ſtehſt darüber.

Magda aber weinte und ihre Bruſt bebte zum Erſticken krampfhaft und über dieſen heftigen Sturm fuhr Thyrnau fort, ſanfte Worte zu ihr zu ſprechen, froh, daß der Schmerz ſich einen Ausbruch verſchafft hatte und hoffend, daß ſeine Stärke damit nachlaſſe.

Auch ſank ſie endlich faſt müde in ſich zuſammen, und Thyrnau breitete ſeinen Mantel unter ihr aus, und gegen den Baum gelehnt, von ihm geſtützt, verſank ſie in einen kurzen Schlaf. Er dauerte nicht lange und hatte ſie doch erquickt ſie ſtand auf und dankte dem Großvater und hing ſich wie ſonſt an ſeinen Arm und war beſorgt, daß der Wagen ſchon ver⸗ ſchwunden war. Auch war ihr berittener Begleiter umgekehrt, um den Grund ihrer Zögerung zu erfahren, und ritt, als er ſie erhlickte, langſam vor ihnen her bis zu dem höchſten Punkt, wo er ſie erwartend ſtill hielt.

Schon ehe ſie den Standpunkt, wo er ſich befand, der über⸗ dies mit hohen Kiefern bewachſen war, erreichen konnten, wies er mit der Hand in die Ferne, und als ſie ſich näherten, ſtiegen die Thurmzinnen des mächtigen Karlſteins vor ihnen auf, und jetzt, wo ſie neben ihrem Begleiter ſtanden, lag er auf der Plat⸗ form des mittlern Felſens von den vier Bergen, welche umher lagen, wie von ſeinen Vaſallen umgeben, vor ihren Blicken da. Beide wurden lebhaft von ſeinem Anblick angeregt, denn trotz dem Verlauf der Zeit und manchen erlittenen Verwü⸗

ſtungen wohnte ihm dennoch ein unzerſtörbares Gepräge der Erhabenheit bei, und ſeine hohen feſten Thürme trugen einen ſtolzen Karakter, während ihre verſchiedenen Geſtalten etwas Ge⸗ heimnißvolles hatten, als wären ſie die Chiffern⸗Sprache einer wichtigen Erzählung, die nur der myſtiſche Geiſt ſeines großen Erbauers verſtanden, und deren Bewahrung durch das Leben