Teil eines Werkes 
8. Band, Thomas Thyrnau : 2. Theil (1855)
Entstehung
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Der Befehl der Kaiſerin, Thomas Thyrnau mit der größten Rückſicht zu behandeln, war um ſo eher erfüllt worden, da dieſe ganze Angelegenheit wieder in die Hände des Grafen von Kaunitz übergegangen war, der, wie es ſchien, eben durch das, was er über dieſe Angelegenheit hatte leiden müſſen, jetzt als Lohn des treuen feſten Aushaltens dieſes Sturmes höher wie jemals in der Gunſt der Kaiſerin ſtand. Dieſer fühlte dagegen, daß er den glücklichen Ausgang allein der unvergleichlichen Perſönlich⸗ keit dieſes Thyrnau verdankte und dem Gelingen, die Kaiſerin, welche ihn zu verſtehen vermochte, zur Zuhörerin gemacht zu haben, und er fühlte eine ſo kebhafte Zuneigung zu Thomas Thyrnau, daß er die wenigen Tage, welche derſelbe noch in der Haft des Schloſſes blieb, ihn täglich beſuchte und in dem hellen erfahrenen Verſtande dieſes Mannes und ſeiner ausgebreiteten Kenntniß aller obwaltenden Verhältniſſe ein Verſtändniß fand, deſſen er ſich noch nicht zu erfteuen gehabt hatte.

Wir enthalten uns jedoch, ihre einſichtigen Geſpräche wieder zu geben; was davon auf das Leben des Thomas Thyrnau Einfluß gewann, werden wir im Verlauf dieſer Mittheilungen erfahren.

Magda fand bei dieſen Geſprächen einen ungewöhnlichen Platz. Mit dem unbeſiegbaren Widerſtand eines unbezwinglichen Gefühls war ſie nicht mehr von ihrem Großvater zu trennen.

Wie ein ſchönes Standbild ſaß ſie unbeweglich mit ihren tiefen ernſten Zügen und dem durchdringenden langen Blick ihrer Augen zu den Füßen Thomas Thyrnau's auf einem nie⸗ drigen Bänkchen und hörte beiden Männern zu, als wäre ſie ihr höchſter Richter. Kaunitz hatte ſich über dieſen ſonderbaren Zeugen mit Thyrnau lateiniſch erklärt dieſer hatte ihn abge⸗ halten, auf ihrer Entfernung zu beſtehen und ihm mit wenigen Worten ein Bild ihres ungewöhnlichen Karakters entworfen,