Teil eines Werkes 
8. Band, Thomas Thyrnau : 2. Theil (1855)
Entstehung
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ihn von der Gemeinſchaft unterrichtet, die Magda mit ihm und Lacy gehalten, und wie Beide den ernſten Sinn des jungen Mädchens über Gebühr genährt, um des Vergnügens willen, die Anſichten zu belauſchen, die ſich in dieſem jungen unbeſtech⸗ lichen Geiſte bildeten. So geſtattete Kaunitz, der überdies in beſonders hingebender Stimmung dem Außergewöhnlichen em⸗ pfänglicher als ſonſt war, nicht allein Magda's Gegenwart, ſondern er gefiel ſich zuletzt, in ihr ſchönes Antlitz zu ſchauen, und ſah und hörte mit Erſtaunen und ſteigendem Intereſſe, wie ſie oft mit begeiſterten Blicken die Reden des alten Herrn begleitete und auch wieder mit einzelnen klaren Worten ihn unterbrach und zurecht wies, wenn ſich die kleinſte Ab⸗ weichung oder unſichere Angabe bei den ihr wohlbekannten Umſtänden zeigte.

um im Palaſt Morani von Allen Abſchied zu nehmen, kehrte daher Magda nur auf einige Stunden dahin zurück und erbat ſich hier Egon's und Hedwiga's Gegenwart. Sie hatte die Prinzeſſin Thereſe mitgebracht, denn dieſer Ab⸗ ſchiedsmorgen war derſelbe, an dem ſie die Kaiſerin geſehn, und Beide hatten ſich von Thomas Thyrnau nach dem Palaſt Morani begeben.

Als ſie in den Saal traten, worin ſie von Allen erwartet wurden nahm Magda ruhig den Vortritt und die Prinzeſſin folgte ihr und war damit zufrieden, denn ihre Augen wurzelten auf dem Grafen von Lach, der mit ſeiner Gemahlin und den beiden Kindern Egon und Hedwiga ihr entgegen kam. Es ſchien aber Allen, als habe ſich Magda ſehr verändert ſie hatte den tiefruhigen Ausdruck, den nur große Gemüthszuſtände geben und der die Seele auf einen Höhenpunkt führt, daß ſie jedes Glied, jede Bewegung beherrſcht. Dabei war ſie blaß wie von Marmor und ſprach nur leiſe und nur wenig.