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die Prinzeſſin wie ein Jäger auf dem Anſtand die Arme auf den Rücken gebogen hatte, und daß Beide eben ſo wenig wie ſie ſelbſt, etwas anderes als das Traumbild des jungen Mädchens verfolgt hatten. Sie gewann Zeit, ſich zuerſt zu faſſen, und wer könnte den ſchnellen Gedanken⸗ wechſel des raſchen Geiſtes verfolgen— mit einemmal ſagte ſie:„Haſt Du den Traum ſchon einmal erzählt, etwa dem Großvater?“
„Ich träumte ihn dieſe Nacht,“ ſagte Magda, aus einem
ſüßen, lächelnden Nachdenken erwachend—„aber gewiß danke ich ihn dem Großvater, denn herrliche troſtreiche Worte hatte er geſtern zu mir geſprochen, und als er mich entließ und mir den Segen gab, da leuchtete ſein Angeſicht gans ſo wie ich ihn darauf in der Nacht ſah!“ Die Kaiſerin ſchwieg ſinnend— dann ſtand ſie auf und machte das Zeichen des Kreuzes über Magda's Stirn.—„Geh' jetzt! und Gott behüte Dich— Du haſt mich gefragt, ob ich Deines Großvaters nach fünf Jahren noch gedenken werde— ich antworte Dir: ich werde ihn nicht vergeſſen! Nun, Guten⸗ berg, ſorge dafür, daß dies ſchöne Kind ſicher dahin kommt, wohin es ſie treibt!“— Dann grüßte ſie die Prinzeſſin und zog ſich in ihre Bibliothek zurück.
As die Prinzeſſin ſich mit den Beiden allein ſah, lief ſie auf Magda zu, umſchlang ſie mit Inbrunſt und küßte ſie wie eine Schweſter.„Magda— Magda— Thyrnau's Enkelin— bete für mich— liebe mich! ich bin Thereſe von D., die Deinem Großvater ſo viel verdankt!“
„Die Prinzeſſin?“ fragte Magda— und als dieſe bejahte, bog ſie ſich zu ihr und küßte ſie ebenfalls herzlich.
„Jetzt aber gehen wir Beide zum Großvater,“ rief die Prinzeſſin.
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