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Dieſe blickte ſie auch wohlgefällig lange an, dann ſagte ſie lächelnd:„Wie ſtehn wir denn jetzt mit einander? Du wirſt mir wohl bitter böſe ſein, daß ich Dir Deinen Großvater nicht nach Tein zurückſchicke?“
„Er ſagt, Du wäreſt überaus gütig gegen ihn geweſen und hätteſt ganz ſo groß gehandelt, als er es Dir immer zuge⸗ traut hätte,“ erwiederte das Mädchen.
„Nun, das freut mich,“ ſagte die Kaiſerin—„aber Du, mein Kind! findeſt Du mich auch ſo gütig?“
Magda ſchüttelte unwillkürlich den Kopf— doch erröthete ſie und ſagte etwas leiſer:„Ich glaube ihm nur!“
„So?“ fuhr die Kaiſerin fort—„Deine Ueberzeu⸗ gung iſt das nicht!— Was dachteſt Du denn, daß mir zuſtände zu thun?“
Magda öffnete zuerſt ihre großen Augen ganz, indem ſie ſie auf die Kaiſerin heftete, dann ſagte ſie:„Ich dachte, wenn Du ihn geſehn und gehört hätteſt, da müßteſt Du ihn für den Größten und Beſten erkannt haben, und dann, dachte ich, Du würdeſt ihn nicht wieder von Dir laſſen, denn wo willſt Du einen Beſſern finden als ihn, wen haſt Du, der ſich mit ihm meſſen kann; er, dachte ich, müßte für Dich eine wahre Wohlthat ſein, weil Du ihn verſtehen kannſt und er Dich!“
Die Prinzeſſin ſchlug die Hände zuſammen— die Kaiſerin winkte ihr zu ſchweigen.
„Und wenn Du darin Recht hätteſt, daß ich Deinen Groß⸗ vater wohl zu ſchätzen gewußt, haſt Du nie gehört, daß wir Großen der Erde oft genöthigt ſind, die Handlungen Derer zu ſtrafen, die wir innerlich hochſchätzen, um anderer Eigen⸗ ſchaften willen.“
„Nein,“ ſagte Magda—„das habe ich nie gehört— ich dachte, Du hätteſt ein ſchönes Recht, was wohl göttlicher


