„Nein,“ ſagte die Prinzeſſin— und obwol ſie eben erſt alle Thorheiten abgeſchworen hatte, betraf ſie ſich doch in ſtarker Verſuchung, denn ſie ahnete augenblicklich eine Nebenbuhlerin.
„So könnt Ihr bleiben, bis ich ſie geſehn,“ fuhr die Kaiſerin fort—„die Gutenberg wird ſie herauf führen. Ich wollte durch ſie dem alten ſonderbaren Manne wohl⸗ thun, der mir näher gekommen iſt, als ich vorerſt einge⸗ ſtehen darf.“
Die Gutenberg war ſchon durch die Garderobe verſchwun⸗
den und die Prinzeſſin verſchlang mit eiferſüchtigem Herzen die kleine Tapetenthür, durch die ſie gegangen war. Ihre Ahnung trog ſie auch nicht; die alte Dame führte ein Mädchen herein, welches durch die ſanfte Schwermuth, von der ihr Weſen durchdrungen war, gegen die beengende Schüchternheit geſchützt blieb, die vor ſo hohen Perſonen einzutreten pflegt— der geſenkte Kopf gab ſich ſogleich als eine Eigenthümlichkeit ihrer feinen elaſtiſchen Geſtalt, ohne der edlen Freiheit des Ausdrucks zu ſchaden. Sie verneigte ſich tief vor der Kaiſerin und dieſe rief ſie näher. Die Prinzeſſin ſah ihr voll Erſtaunen nach— ſie trug heute über dem glänzend ſchwarzen Haare das goldene Netz mit Juwelen verziert, die Flechten waren im Nacken verſchlungen, und dagegen zeigte ſich noch herrlicher die ſchöne Form des⸗ ſelben, die das in Falten geſteckte weiße Tuch vollſtändig ver⸗ rieth— dazu trug ſie ein Mieder von ſchwarzem Sammet mit ſeidenen Aermeln und ein offenes Kleid mit dazu gehörigem Rock von ſchwerer ſchwarzer Seide. Man hatte die ſchöne Eigenthümlichkeit ihrer Tracht nicht zerſtört, und doch ſah die Prinzeſſin, eine geſchickte und erfahrne Hand hatte den Anzug geordnet, daß er paſſend vor der Kaiſerin war.


