bin, in ſo großer Nachſicht mich gegen Euch zu verhalten. Ich könnte Euch jetzt zurückſchicken nach D. und ſo jede Verantwort⸗ lichkeit von mir ablehnen— aber ich habe beſchloſſen, die vielen Mißgriffe, die man gegen Euch von Jugend auf begangen hat, nicht dadurch fortzuſetzen, daß auch ich Euch wieder dem Zufall und Eurer angebornen Thorheit überlaſſe. Macht es mir jedoch nicht zu ſchwer, ſonſt zwingt Ihr mich, Euch eine ſtrenge Ge⸗ ſellſchafterin zu werden.“
Es lag eine ſo ernſte milde Güte, eine ſo mütterliche Theilnahme in den Worten der Kaiſerin, daß ſie das ganze Herz der Prinzeſſin ergriff. Ihr Kopf ſank auf den Tiſch, vor dem ſie kniete, und ſie ſchluchzte laut.—„Ich habe viel dar⸗ über nachgedacht, ob ich Euch jetzt beſſer auf Beſuch ſchickte zu einem unſerer Verwandten— aber es könnte ſcheinen, Ihr bekämet dadurch größeres Unrecht in den Augen der Welt, als ich Euch zurechnen will— man könnte es für meine Ungnade halten—“
„Darf ich herum kommen?“ rief die Prinzeſſin, lauter ſchluchzend— und im ſelben Augenblick lag ſie ſchon vor der Kaiſerin und bedeckte mit ihren Thränen und Küſſen deren Knie und Hände.
„Ich denke alſo, Ihr bleibt bei uns,“ fuhr dieſe milde fort—„und zieht mit uns, wohin der Hof ſich grade begiebt. Wir haben Euch freilich nicht viel Annehmlichkeiten zu bieten, denn, wie Ihr wißt, leben wir noch immer von der abgetrage⸗ nen Eleganz, die unſere Vorfahren aus Spanien mit herüber contrebandirten— und Eure beſte Freundin, die vor Euch ſitzende Kaiſerin, putzt ſich mit einigen alten verblichenen ſpa⸗ niſchen Roben gleich einer Königin auf den Gobelintapeten
aus— aber—“
„Um Gotteswillen ſchweigt!“ rief die Prinzeſſin, die un⸗ ter den Worten der Kaiſerin wie unter Nadeiſtichen gezuckt


