313
mit Euer Majeſtät wäre— dieſe Idee verfolgt ſie mit ihrem feurigen Gemüth und ſeit den empfangenen Hoffnungen dazu—“
„Wer hat ihr dazu Hoffnungen gemacht?“ fragte die Kai⸗ ſerin ſtreng—„was wißt Ihr davon?“
„Ich bin ihr Vertrauter, ſie hält mich für einen guten Unterthan— ſie will von mir über mein Vaterland hören!“ „Ha,“ rief die Kaiſerin—„das wagt ſie— und Ihr
macht ihren Spion?“
Thyrnau trat einen Schritt zurück— es entſtand eine Pauſe.—„Wenn Euer Majeſtät das Wort gebrauchen wollen für die treuſten Dienſte eines Unterthanen?— Seit Dero großer Miniſter Kaunitz dieſen Gedanken in ihr angeregt, theile ich ihre Gedanken darüber und ſuche die Thorheiten zu bezwingen, die immer dazwiſchen ihren herrlichen Verſtund untergraben, und da Graf Kaunitz das größere Feld der Politik vor ihr ent⸗ faltet, habe ich es unternommen, dieſen großen Plänen in ihrem Kopfe Stetigkeit zu geben und ſie in die Sprache zu überſetzen, die ihr am leichteſten zugänglich iſt— und jetzt, glaube ich, iſt ſie zu der wichtigen Ueberzeugung gekommen, daß ſie den Abbé Bernis nicht länger werde halten können. Ihre Anftage des⸗ halb an mich habe ich noch Zeit gehabt zu beantworten— ich habe ihr noch einmal die Unhaltbarkeit ihres bis jetzt mit Bernis verfolgten Syſtems auseinander geſetzt und ihr dagegen alle Vortheile gezeigt, die der Miniſterwechſel mit dem Herzog von Choiſeul herbei führen müßte— dieſer Brief muß jetzt in ihren Händen ſein— er ging einen Tag vor meiner Verhaftung ab.“
„Nun wahrlich,“ rief die Kaiſerin—„wir haben da ein ſchönes Staatsgeheimniß!— Aber jetzt antwortet mir eins auf Euer Gewiſſen! und tretet näher herbei,“ fügte ſie hinzu, ihr großes Auge auf ihn heftend—„ſeid Ihr mit Kaunitz im Bunde?— Die Wahrheit, ſage ich— dann will ich nicht zürnen— hört Ihr?“


