erhabene Kaiſerin— wahrlich, er wird mit ſeiner Entdeckung Euer Majeſtät um einen neuen herrlichen Zug des Menſchen⸗ herzens bereichern.“
„So wißt Ihr darum?“ fragte die Kaiſerin ſcharf.
„Nein,“ ſagte die Prinzeſſin,„ich weiß nichts davon— aber alle Handlungen dieſes Mannes tragen den Stempel der Erhabenheit und Güte!“
Die Kaiſerin ſchwieg und langſam hob ſie dann ihr mildes prüfendes Auge zu dem Manne auf, als wolle ſie ihn noch ein⸗ mal mit den eben gehörten Worten vergleichen. Seine ehr⸗ würdige Geſtalt drückte zugleich Kraft und Beſcheidenheit aus — es war kein übermüthiges Entgegenſtellen ſeiner Perſon, keine Herausforderung in dieſen ſanften edlen Mienen— es war die Hoheit der Seele darin ausgeſprochen, die den Men⸗ ſchen ſo ſtill zu ſich ſelber ſtellt, daß er des Eindrucks nicht mehr gedenkt, den er hervorrufen könnte!
Als die Kaiſerin ihn ſo einen Augenblick vor ſich geſehn — winkte ſie mit der Hand und ſagte ruhig und gefaßt:„Man laſſe mich mit dieſem Manne allein!“
„Jetzt, ſagte die Kaiſerin, als der Vorhang Alle im Vorzimmer abſonderte—„ſollt Ihr Euren Willen haben— was hielt Euch aber ab, einem dieſer ehrenwerthen Männer Euer Vertrauen zu ſchenken— warum gerade uns?“
„Warum gerade Euer Majeſtät? Darauf gäbe es viele Antworten,“ ſagte Thyrnau bewegt—„aber ich habe nur meinen tiefſten ehrfurchtsvollſten Dank auszudrücken, das Euer Majeſtät mir dieſe höchſte Wohlthat gewähren. Das Geheim⸗ niß, was ich auszuſprechen habe, iſt nicht allein das meinige — es unſchließt die zeitliche Exiſtenz des edlen jungen Man⸗
nes, der unverſchuldet meine Verhaftung theilt.— Ihm muß
dieſe Entdeckung geheim bleiben, wenn ich ihn nicht den nutz⸗ loſeſten Verwirrungen hingegeben ſehen will.“


