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nicht entgangen. Es ſchien ihren Muth zu heben, daß ſie den rauhen Gaſt verblöden ſah.
„Nun? wollt Ihr vielleicht der Stoßvogel ſein, der in das Dohlenneſt eindringt, die junge Brut zu vertilgen?“ fuhr ſie fort.„Verſucht's! wenn Ihr Uebung habt und erhebt Euch— denn jetzt ſteht die Dohle über dem Geier! Der offene Kampf wird ſchwer, denn Eure Flügel ſind wohl nicht mehr die geſchwingteſten?“
„Ha!“ rief der Fremde ungeſtüm—„was wagſt Du? Mädchen! Mädchen: welche Sprache!“ Er war glühend roth geworden und die wildeſte Ader, die der Jähzorn gebildet, ſchoß wie eine ringelnde Schlange auf der Stirn hervor. Er hoffte ſie mit ſeinen Blicken zu erſchrecken, aber er ſchoß ſie vergeblich hinauf. Jetzt erſt legte Magda ihre beiden runden Arme auf die bunte Brüſtung des Geländers und ſchaute hinab, wie in ein Schauſpiel, und eine Laune, aus Zorn und neckendem Muthwillen gemiſcht, lockte ſie zur Verfolgung des unbändigen Mannes.
„Was meinſt Du, Herr Stoßvogel, daß ich wage? Dachteſt Du, Dohlen hätten keine ſcharfe Schnäbel— könnten ſich vor giftigem Biß nicht wehren? Sahſt Du den Augenblick aus, wo das Neſt leer von dem alten Dohlenvater iſt— und biſt nun verwundert, daß die junge Brut auch mit den Flügeln ſchlagen kann?“
„Wildes, unbändiges Mädchen!“ rief der Fremde zornig. „Hüte Dich, den Stoßvogel zu reizen! Er iſt mächtig genug, ſich zu erheben, und Du— die Letzte der alten verwünſchten Dohlenbrut, wirſt ihm nicht zu hoch ſtehn, Dich zu erreichen; denn Der, den Du höhneſt, hat auf derlei Geſchmeiß einen ſicher erprobten Stoß.“
„Ja!“ rief Magda lachend—„ſo ſiehſt Du aus— und träfe ich den Herrn Stoßvogel im Walde, flöge ich, wo das


