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„So“— ſagte der Fremde—„kam ein mächtigerer Stoß⸗ vogel unter die junge Brut, vor dem die alte Dohle ſie nicht decken konnte?“
Doch während dieſer Worte ſah er, daß der Diener die Augen nach der Decke erhob, und unwillkürlich folgte er derſelben Richtung und ſah jetzt grade vor ſich auf einer offnen Gallerie, die über dem Rauchfang des Kamins ſchwebte, ein ſo ſchönes, junges und phantaſtiſch gekleidetes Mädchen, daß ihm das Wort ausging, und er erſtaunt mit ſeinen Blicken an der reizenden Erſcheinung haften blieb.
Dieſe dagegen ſchien, des Eindrucks ſicher, bemüht, ihn durch ihre ſtolze feſte Haltung noch zu verſtärken. Ihr Auge ruhte zürnend unter leicht zuſammengezogenen Brauen auf dem anmaßenden Gaſte, und ihre Haltung drückte eine ſtumme doch unverkennbare Wichtigkeit aus. Der Fremde erhob ſich, nahm ſeinen Hut und wedelte damit, während er den ſteifen Rücken zu krümmen ſuchte, wie zu einem mißglückenden Gruße.
Das Mädchen hob die Hand auf und machte eine ſo ſtolze Bewegung damit, wie etwa Maria Thereſia auf dem Throne ihrer Väter.
„Wert wer iſt die Dame?“ ſagte der Fremde eifrig, ſeine Augen unverwandt auf ſie geheftet.
„Es iſt die letzte Dohlenbrut, die der Stoßvogel ver⸗ ſchonte!“ antwortete ſtatt des Dieners das Mädchen von Oben herab nit einer ernſten ſonoren Stimme, die den Fremden ſo erſchreckte, daß er zurück fuhr und mit beiden Händen die nie⸗ drige geheimnißvolle Stirn beſtrich, wodurch der eiſerne, an⸗ maßende Mann faſt den Anſchein von Verlegenheit oder Schrecken erhielt. Die Stimmung ſchien ihm fremd; er konnte ſich nicht begreifen; er hob den Blick entſchloſſen zu der Gallerie empor— da ſtand daſſelbe Mädchen noch eben ſo ruhig wie vorher und ihren ſcharfen Angen war die Wirkung ihrer Worte
Thomas Thyrnan. II. 2


