16
da es aber ſchon verſtummte und er in den Zügen des Dieners keine Auskunft fand, blickte er mürriſch vor ſich nieder.
„Herr, begehrt Ihr noch zu trinken?“ rief hier der alte Veit, dem das Herz vor Unwillen ſchwoll und der es vielleicht ſehr ſtolz fand, daß der ungerufene Gaſt ihn wie einen leib⸗ eignen Diener den Becher halten ließ.
Alter Burſch!“ rief der Fremde mit einem zornigen Augen⸗ blitz—„haſt Du Geſchäfte, wenn Du die Ehre haſt mich zu bedienen?“
Da ich nicht weiß, wer meine Dienſte begehrt,“ entgegnete Veit mürriſch, kann ich keine große Ehre drin erkennen. In⸗ deſſen wird es Euch an billiger Höflichkeit nicht fehlen, da Ihr das Gaſtrecht in meines Herrn Hauſe anſprecht.“
Ein kurzes ſpöttiſches Lachen brach aus dem Fremden her⸗ vor.„Gottes Blitz!“ rief er—„alter Narr, Du biſt ſehr herab⸗ laſſend. Nun gieb den Reſt her— ich will den Becher ausleeren auf die blühende Nachkommenſchaft des Herrn Thomas Thyrnau — auf die alten und die jungen Dohlen dieſes Neſtes!
Es ſchnitt dem Alten wie Meſſer durchs Herz und traurig ſenkte er den Kopf und ſchwieg, während Jener trinkend über den Becher ihn beobachtete. Doch im ſelben Augenblick ließ ſich das Dohlengeſchrei viel lauter hören, ja! es war, als ob zu gleicher Zeit Mehrere ſich heftig zankten. Anfänglich ſchaute der Fremde wieder umher, dann ſchien er ſich über ſeine eigne Aufmerkſamkeit zu ärgern und fuhr höhniſch fort:„Nun, hab' ich's noch nicht recht gemacht?“ rief er in roh neckendem Tone. „Sag', Alter, wie viel Nachkommen zählt jetzt Dein Herr? Ich denke, er muß Schwiegerſöhne und Enkel in Fülle haben, daß dies ganze Neſt davon voll werden kann.“
„Der Wille des Himmels hat es anders gewollt!“ erwie⸗ derte der Alte düſter—„mein Herr hat wenig von ſeinem reichen Stamme und ſeinem Familienglück übrig behalten.“


