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Mutter. Die kleinen Füße, wenn ſie die Treppe herunter ſpringt und bei den letzten Stufen ſich an das Geländer hängt und wie ein abgeſchoſſener Pfeil hinunter fliegt, wer hat ihr geſagt, daß es ihre Mutter eben ſo machte? Dann— wenn ſie was haben will, die Augen— wie ſie blitzen von Ungeduld! Sie bittet wohl, aber ſchon wird ſie unruhig und denkt böſe zu werden, wenn man nicht gleich nachgiebt.“
Im ſelben Augenblick flog eine dunkelrothe Nelke wohl gezielt der alten Frau Gundula in das hoch geſteifte weiß leinene
Buſentuch.„Marie und Joſeph!“ ſchrie die erſchreckte Frau hell auf— und ein kurzes leiſes Gekicher über ihrem Haupte lenkte
ihre Blicke nach der Gallerie empor. Magda's reizender Kopf ſah über das Geländer lachend herüber.
„Siehſt Du! alte Verläumderin!“ rief ſie—„da haſt Du Deine Strafe! Ihr beiden alten Böſewichter! da ſteht Ihr und redet von Eurer armen Herrſchaft, daß ihr auch kein gutes Haar bleibt. Wartetz das ſoll Euch heim kommen! Erſt Euren alten Herrn durchgehechelt— und nun ward Ihr bei mir ange⸗ kommen. He? ſollte ich demüthig zuhören, wie viel Sünden Ihr mir auf mein altes Regiſter zuſchriebet? Schämt Euch, Ihr alten Gevattern! Fort! fort an Euren Platz Du, ſieh nach meinem Gebacknen— und Du alter Veit vor die Thür— hinaus mit Dir— es kommen Reiter über die Dorfſtraße, gleich werden ſie herein ſein!“
„Wir gehen ſchon, mein Liebchen,“ rief Gundula entgegen, während Veit dienernd und viel fteundliche Worte murmelnd ſich dem Eingang näherte.„Komm auch bald hernieder, mein Liebchen!“ fuhr Gundula fort—„ſieh nur, wie ſchön wir Dir's hier zurecht gemacht haben.“
„Denkſt Du,“ rief Magda—„ich guckte hier mit blinden Augen? Längſt ſah ich Dein Putzen und Trippeln und Rücken und Streichen— und doch haſt Du's Beſte vergeſſen— Du alter Leichtſinn!“


