von Vorne hat anfangen müſſen, immer kommt er wieder oben auf.“
„Ja! er hat ſeine Kräfte alle Tage nöthig gehabt! Er hat viel erlebt, Frau Gundula— und wir Beide mit ihm.“
Gundula ſeufte.„Wenn ich die Tafel zwiſchen ſonſt und heute denke— wie viel Plätze hier leer ſind— ach Veit! als wir nach der langen Trennung hier zuerſt wieder einzogen, da war's mir anfangs, als könnte ich es bei meinem alten Herrn nicht aushalten. Fort wollte ich, weit von ihm fort, um hier dem Schmerz zu entlaufen, all die leeren Stellen zu ſehn, wo meine Engel ſonſt lebten. Aber beſſrer Rath kam von Oben. Mußte er es doch tragen, der gute Herr— und trug es leich⸗ ter, wenn er uns alte treue Diener Alles in die gewohnte Ordnung bringen ſah.“
„Das ſoll wohl ſein!“ erwiederte Veit— er hat aber nicht, ſo wie wir, nur die eine Stelle. Was uns hier fehlt, das fehlt unſerm ganzen Leben. Er aber— fehlt's hier— ſo blieb es ihm vielleicht wo anders. Wo iſt ſeine Heimat— wiſſen wir's. Iſt ſie hier— iſt ſie in Prag— iſt ſie auf dem Schloſſe— iſt ſie gar drüben bei den franzöſiſchen Herren? Wir wiſſen's nicht!“
„Wir wiſſen es nicht,“ wiederholte Gundula—„doch denke ich immer, das iſt des Menſchen Heimat! wo er Weib und Kind anſiedelte und wohin er das trägt, was er lieb hat.“
„Freilich, man ſollte es denken,“ ſagte Veit—„und was Liebes hat er freilich wieder nach Hauſe gebracht. Wie ſie ihrer Mutter gleicht— nicht!“
„Wohl! wohl!“ ſagte Gundula—„ich ſehe Gottes Wun⸗ der. Wer hat ſie's gelehrt— wo hat ſie's abgeſehn? Wenn ſie Gundula ruft, ſo glaube ich, ihre Tante zu hören— der⸗ ſelbe Ton der ſüßen Stimme— wenn ſie niederduckt, daß ich ſuchen ſoll, von welcher Seite ſie ruft— gerade wie ihre


