8
ſichtigend, bildete ſie durch ihr feſtes Material doch ein kleineres Zimmer, was wieder nach Vorn offen in den großen Hausraum ausmündete. Ein langer ſchmaler Tiſch von köſtlicher Arbeit, mit den ſeltenſten Hölzern eingelegt, ſtand in der Mitte; blanke Beſchläge ließen ſich an den ſchönen Fußgeſtellen und den da⸗ runter weglaufenden Fächern ſehen— um dieſen Tiſch ſtanden zwölf eben ſo kunſtreich gearbeitete Lehnſtühle mit roth ſammet⸗ nen Kiſſen belegt, und den Fußboden bedeckte ein türkiſcher Teppich von großer Schönheit. An dem Fenſter befand ſich in
vergoldeten Ringen ein ſchwerer Damaſtvorhang von dunkel⸗
rother Farbe, und in ſeinem Schatten ſtanden in der tiefen und breiten Fenſterniſche leichtere Lehnſtühle und ein kleiner Schrein, in welchem Frauenarbeiten, Andachtsbücher oder die Hiſtorien aufbewahrt wurden, welche die langen Winterabende verkür⸗ zen halfen.
Hier verſammelte man ſich zum Frühſtück und Mittags⸗ tiſch, empfing ſeine Gäſte und betrieb die leichteren Arbeiten, bei denen man nicht ganz der Geſelligkeit entbehren wollte.
Die Thurmzimmer dagegen waren nach dem Bedürfniß der Familienglieder vertheilt, und wir werden ſie ſpäter kennen lernen.
Es war gegen die Mittagszeit, als an dem Heerde, den wir ſo eben beſchrieben, eine wachſende Thätigkeit das Heran⸗ nahen der Tafelſtunde verkündigte. Ein lieblicher Duft verbrei⸗ tete ſich in ſeiner Nähe, und neben ſiedenden Töpfen und Keſſeln drehte ſich der Bratſpieß mit dem zarten Rücken des jungen Reh's, während in kupfernen Gefäßen die fetten Wachteln zwiſchen jungen Kräutern in ihrem eigenen Fette dämpften und eben die Kellen ſich arbeitend rührten, die feineren Back⸗ werke zu bereiten, ohne die eine ſüddeutſche Tafel zu keiner Zeit herzuſtellen war.
In dieſem lebhaften Treiben führte eine bejahrte Frau die Oberaufſicht, die durch ihr ſtilles leiſes Weſen um ſich her eine


