Der Eingang nun war eine große Thür von Eichenholz mit zwei Flügeln, zu der man von Außen durch einen kleinen Vorbau gelangte, wie man wol an Kopellen findet, worin das Glöckchen wie in einem Schreine hängt und Heilige aufgeſtellt ſind. Auch hier bildete das Kreuz, an welches ſich die Doppel⸗ thüren anſchloſſen, einen kunſtreich geſchnitzten Pfeiler, auf dem die Himmelskönigin ſtand mit der Krone auf dem Haupte und dem Jeſuskinde im Arme; unter den Füßen befand ſich verſil⸗ bert die Sichel des Mondes. Es war eine jener anmuthigen farbigen Holzſculpturen, die hier durch ſchön gelungenen Aus⸗ druck und harmoniſche Färbung ein ſehr anſprechendes Kunſt⸗ werk ward. Die breite Schwelle davor war von ſchwarzem Marmor ſo wie die Pfoſten der Thür, an der— wie herausge⸗ wachſen— das Becken zum Weihwaſſer hing. Das Erſte, was die Aufmerkſamkeit feſſelte, ſobald man über die Schwelle ge⸗ treten, war der Fußboden im Innern, welcher nach ſonderbaren hieroglyphiſchen Formen in ſchwarz und weißen Marmor gelegt, offenbar aus einer Zeit mit den Holzbogen der Decke war. An den Wänden zeigte ſich bis zu einer mäßigen Höhe eichenes Täfelwerk, wodurch der kalte ſteinerne Raum bedeutend wärmer und behaglicher geworden war, und an den drei Wänden der Thür gegenüber liefen vom ſelben Holze Gallerieen herum, an denen auf der hinterſten Wand zwei ſpiralförmige Treppen hinauf führten, deren fein durchbrochene Geländer, wie die der Gallerieen, zu einer Zierde des Raumes dienten.
Die Treppen führten zu den Thurmzimmern, die ſonſt nur von Außen durch jetzt verfallene Stufen, die daran gebaut waren, erreicht werden konnten, nun aber für das feinere Be⸗ dürfniß der ſpäteren Bewohner durch dieſe inneren Treppen viel zweckmäßiger geworden waren. Jeder Thurm hatte zwei über einander liegende Räume; im oberen waren die Schlaf⸗ und Gheimzimmer der Herrſchaft, im unteren waren Schlafſtellen


