Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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und auf den gefährlichſten Standpunkt der Erde verſetzten, die werden es zu verantworten haben, daß dieſer Streit zwiſchen Recht und Unrecht jetzt ſchon in ſo böſen Gewohnheiten wurzelt, daß der Sieg für das Gute eine zweifelhafte Hoffnung bleibt.

O nein! o nein! rief Claudia.O ſein Sie nicht zu hart! Sie iſt der ſchönſten Entwicklung fähig, ſie iſt vielmehr reif dazu! Dieſe Gewohnheiten find nur kleine äußere Uebel⸗ ſtände und hemmen, ihr ſelbſt zum Ueberdruß, ihre freie Ent⸗ wicklung. Ach, wollte Gott, daß ihr ein edles männliches Herz erweckt würde, das ihr ſchönes reiches Weſen erkennen und lieben lernte, und um den viel größeren Beſitz dieſes Schatzes es getroſt mit den kleinen Mängeln aufzunehmen beſchlöſſe, die dann ſich als ſolche in Wahrheit zeigen und von ihr abfallen wjrden, wie ein entſtellendes Gewand von einem ſchönen Körper. O Lach! es bleibt ein Vorwurf, den ich nicht unterdrücken kann daß ſie Niemand ſo liebte!

Sie ſah ihren Verlobten bei dieſer edlen Entgegnung mit ſo wunderbar bewegten Blicken an, daß er lächelnd ihre Hand faßte und ausrief:Macht mir meine Claudia denn daraus einen Vorwurf, daß ich ſie nicht geliebt habe?

O Lacy, ſagte die Fürſtin noch in derſelben Stimmung ich habe es möglich gehalten, daß Sie ſie liebten, und habe ſie Ihnen gegönnt! Waos kann ich Höheres für meine Ueberzeugung von ihr ſagen? Ihr hattet Euch in Frankreich kennen gelernt durch ſie durch ihre Briefe erfuhr ich zuerſt von Ihnen. Daß ſie von Ihnen in einem andern Tone ſprach, als von der Maſſe, die ſie umgab, das ließ mich hoffen, ſie werde in Ihnen ihren Meiſter finden. Ich ſah Sie dann ſelbſt und obwol durch Sie mein ganzes inneres Weſen ver⸗ wandelt ward, ſo geſtattete ich doch den Wünſchen meines Her⸗ zens keinen Raum für's Leben und als Ihr Euch endlich hier bei mir wiederſahet, da knüpfte ich, mit der reinſten Re⸗