Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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über die verlorne Schürze, denn die Prinzeſſin würzte ihre Mit⸗ theilung mit einer ſolchen Fülle anmuthiger Scherze, daß die hohe Frau ihr mehr wie ein Mal den Tribut eines Lächelns zahlen mußte. Am andern Morgen aber erhielt die Prinzeſſin eine neue koſtbare Schürze von der Kaiſerin, und in der Taſche ſteckte ein Röllchen Gold, worauf die Worte ſtanden:Für meinen Käſe⸗Engel zu Wämmschen und Rock. S

Das dachte ich, rief die Prinzeſſin lachendO dieſe kluge Kaiſerin! gleich ſieht ſie ein, daß, wenn ich meine Flor⸗ ſchürze opfere, um die groben Kleider der Kleinen zu verhüllen, es ihr zuſteht, etwas weiter zu gehen. Wie ſoll es auch die arme Claudia machen? Ich ſtehe dafür, ſie nimmt noch nichts von Lach an, und hat am Ende Schulden gemacht zu ihrer jetzigen Ausſtattung; denn was ſie mir da fabelt von Summen, die der Herr Fürſt Papa noch verdient haben ſoll und die jetzt vom Himmel gefallen das glaube, wer kann!

Mit welcher Rührung überlegten unterdeſſen die edlen

Freunde im Palaſt Morani den Zuſtand der Prinzeſſin Thereſe, der ſie Alle auf verſchiedene Weiſe angezogen und bewegt hatte.

Ach, rief Claudiaund dies Weſen ganz Gefühl ganz Seele! das wird in der Welt herzlos coquett boshaft genannt, und iſt jeder Verläumdung Preis gegeben!

Theure Beichttochter, ſagte Georg Preyes hat Vieles neben einander im Menſchen Platz! Vielleicht haben Jene, welche die liebe Prinzeſſin alſo züchtigen, eben ſo wenig ganz unrecht, als wir, die wir derſelben im Grunde ihres In⸗ nern ein zum Guten befähigtes Herz und eine große Gabe des Geiſtes zutrauen. An beiden Ausſprüchen ſchuldet die ſchöne Dame ihr Theil, und weder wir, noch Jene werden von ihr berechtigt, den Sieg davon zu tragen.

Aber die, fuhr Lach fort, als der gute Pater ſchwieg die dies ungemein befähigte Weſen ſich ſelbſt überließen