Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

264

erregte! Sie hatte ſich ſeitwärts über die Lehne ihres Stuhls gebogen; ihre Augen waren von der tiefen Bewegung ſo glühend blau; ſie konnte vielleicht nicht ſchöner ſein.

Claudia blickte unbeſchreiblich gerührt zu ihr hin. Sie reichte ihr die Hand, ſie ſah ſie zärtlich an.O, Thereſe, ſagte ſie dann ſanftwie ſchwer machſt Du es uns, gerade ſo, wie wir Dich vor uns ſehen, an Deine Behauptung zu glauben. Wer hätte Dich nicht lieben müſſen, wem Du vollends das Glück Deiner Erwiderung ſchenkteſt!

Und doch iſt es ſo! ſagte die Prinzeſſin in ihrer wun⸗ derlich tragiſchen Offenherzigkeit gedankenlos weiter redend. Erfaßte mich der Gegenſtand, zwang er meinem Gefühl dieſe Hingebung ab, dann liebte ich auch mit allen Kräften meiner Natur. Dann war dieſe Liebe das lückenloſeſte Zellengewebe des Gefühls dann hätte aus meiner Liebe das Gefühl ſelbſt deducirt werden können und dann belebte ich mit dieſer voll⸗ ſtändig entwickelten Gewalt eine Zeitlang den Gegenſtand zu meiner eignen Täuſchung, bis mir plötzllich, von dem alten Fluche, der mich verfolgte, der Blitzſtrahl der Erkenntniß kam und die Gewißheit, nicht geliebt zu ſein. Ach! rief ſie eine Frau muß zu ihrem eigenen Vergnügen um der Liebe willen muß ſie lieben lernen ſonſt muß ſie verzweifeln!

Sie ſtand bei dieſen Worten auf, um zur Kaiſerin zurück zu fahren, winkte Allen mit der Hand, ihr nicht zu folgen, und ſchwebte mit einem ſo erhabenen Anſtand an ihnen vorüber, daß ihr Alle ſtumm und mit den Augen an ſie gefeſſelt nachſahen, bis ſie in dem Hintergrunde des Saales verſchwand.

Als der Wagenſchlag zugedrückt war, riß ſie die Blenden vor den Fenſtern nieder und verhüllte dann mit beiden Händen ihr Geſicht, indem ſie in ein heftiges bitteres Weinen ausbrach. Ach! ach! rief ſie dazwiſchen,wie elend bin ich wie elend! Schön bin ich begabt bin ich, wie es Wenige ſind