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Die Prinzeſſin warf ihr einen düſter glühenden Blick zu.
Die herausfordernde Sicherheit der argloſen Muhme reizte ihr böſes Blut.„Ha!“ rief ſie innerlich—„nicht einmal Furcht hat ſie, ihn zu meiner Bekehrung aufzufordern, und ſpricht von den Wirkungen meiner Reize, wie von denen einer längſt be⸗ grabenen Großmutter!“ Es trat eine Bitterkeit in ihr Herz, daß ſie hätte weinen können. Sie wollte nicht allein ſchaden, ſie wollte ſich erzürnen— ob über ſich, über ihr Geſchick— ſie wußte es nicht. Aber faſt gegen ihren Willen floß ihr Mund im tragiſchen Tone über:„Klage mich nur an, daß mein ganzes Leben ein fortgeſetzter Irrthum iſt, der— müſſen Andere auch darunter leiden— doch Keinem tiefere Wunden ſchlägt, als mir ſelbſt. Wenn Du die Beſchützerin der Herzen ſein willſt, die ſich mir unerwidert ergaben— haſt Du da nie gedacht, wer dies Herz beſchützte, wenn es dem Irrthum, dieſem Fluche meines Lebens, eben ſo unterlag wie Jene? Die Thoren haben mich geliebt und Gegenliebe gefordert, und ich ſah ihnen arglos beluſtigt zu, oder ich machte aus Angſt vor ihrer Liebe mechaniſch ein wenig ihre Kapriolen nach. Es war ein dummes Mitleiden, vielleicht ein wenig Schaam in ihrer Seele. Ausgeglichener ſchien mir ihr thörichtes Weſen, wenn ich es zu theilen ſtrebte. Aber wer hielte die Lüge aus, wenn ſie nur dem Andern Vor⸗ theil bringt? Wenn der Ueberdruß kam und ich die Schellen⸗ kappe abſtreifte und ſie mit bitterem Hohne jagte— dann hieß es— wie ich die zu feſſeln ſuche, die ich doch nicht liebe. Und wo gab es ein wilderes Ungeheuer in der Natur als mich? Sieh', Claudia! mit wenigen Worten ſei's geſagt: Wo ich liebte, ward ich nicht wieder geliebt— wo ich geliebt ward, liebte ich nicht wieder!— Willſt Du nicht um mich weinen, fronme Seele?“ Wer könnte beſchreiben, mit welchem erſchütternden Aus⸗ druck von Wahrheit ſie dieſe Worte ſprach— und welche Em⸗ pfindungen gerade dieſe Klage neben dem Eindruck ihres Geiſtes


