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gefallen; ſie hatte ein Gefühl für den Knaben, das ſie ſelbſt
überraſchte.„Dagegen,“ ſagte ſie— ängſtigt mich Hedwiga's Schönheit! Ich glaube, ich bin eiferſüchtig auf ſo viel Aus⸗ ſicht zu Eroberungen— ich möchte Ihr was anhaben— es iſt mir, als würde ſie ſich an mir vergehen— ja, als hätte ſie ſich ſchon an mir vergangen!“„Komm“— rief ſie der neben Georg Prey Stehenden zu—„komm, ſieh, ich habe Roſen für Dich gepflückt, ich will Dich noch ſchöner machen; Du ſollſt mich überwältigen, damit ich den Entſchluß faſſe, Dich zu lieben!“
Mit ihrem eigenthümlichen Geſchick ordnete ſie die Roſen um das rothe Käppchen des holden Kindes und ſteckte ihr dann eine in das graue Mieder, band ihre Florſchürze ab und hing ſie dem Kinde über den Kopf, daß dieſer wie aus einer Wolke ſchaute. Es war ein reizender Anblick— und das Kind lächelte freudig zu ihrer ſchönen Kammerfrau empor. Wer hätte nicht denken müſſen, der Entſchluß, ſie zu lieben, könne nicht ſchwer werden! Doch die Prinzeſſin blickte ernſt, ja faſt ſtreng auf ſie nieder; dann drückte ſie plötzlich ihre Hände vor die Augen und rief:„Geh! geh! noch haſt Du's nicht fertig— Du biſt mir ein Hinderniß, eine Laſt!“ Hedwiga verſtand nur, daß ſie
gehen ſollte und ſo lief ſie zur Fürſtin, die ſie an ſich zog und
ſie liebkoſte.
„Alſo ſo ſchwer iſt Ihre Liebe zu gewinnen— ſo unbere⸗ chenbar— ſo unabhängig von natürlichem Anſpruch?“ hob Lach an, der ihr wenigſtens den Tribut zahlen mußte, durch ihr launenhaftes Treiben beſchäftigt zu werden.
„Ja!“ ſagte Claudia und entließ Hedwiga aus ihren Armen —„ſo hat ſie es Zeitlebens mit der Liebe getrieben. Ich will ſie anklagen, damit Sie mir helfen, ſie zu bekehren. Alle Herzen hat ſie gerührt— aber von keinem iſt ſie wieder gerührt wor⸗ den, und hat ſo Verzweiflung geſäet, ſtatt Glück und Freude.“


