Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

261

O Thereſe! rief Claudiawie haſt Du es mit Deinem weichen Herzen unter dieſen übertünchten Barbaren ausgehalten?

Sehr gut! ſagte die Prinzeſſindas war für mich das allerbequemſte Mittel, eine gute Meinung von mir zu bekommen. Ich kam mir einige Male vortrefflich vor. Es iſt erſtaunlich leicht, mit geringer Tugend auf ſolchem Boden zu leben; ich war ihnen Allen ſehr verbunden ſie ſchienen ſich um Meinet⸗ willen zu bemühn!

O Lach! ſagte Claudiawüßten Sie ſo gut als ich, wie ganz anders ſie iſt, als ihre loſen Worte! Warum hat man Deinem ſchönen Munde nicht die heil'ge Scheu vor unheiligen Worten eingeflößt, die nur aus Deinem frevelnden Kopfe, nicht aus Deinem lauteren Herzen kommen?

Die Prinzeſſin lachte hell auf und ihr ſchlauer Blick ſah, daß Lacy's Auge mit Intereſſe und Vergnügen an ihr hing. Wenn ich Dich täuſchte, bin ich ganz zufrieden, rief ſie denn freilich iſt dieſe Deine Meinung die einzige Entrée, die mir den Palaſt Morani öffnet. Doch nimm Dich in Acht! ich warne Dich und verlaß Dich drauf ich tauge nichts!

Dann zog ſie Egon zu ſich und blickte ihn lange und tief⸗ ſinnig an.Liebliches Geheimniß! fuhr ſie weicher wie ge⸗ wöhnlich fort wer biſt Du? Wer gab Dir dieſe feſte Stirn, die ſo trotzig die Locken von ihrer niedern Wölbung in die Höhe treibt? Und dieſe tiefen blauen Augen wo haben ſie mich ſchon einmal angeblickt?

Ich habe Dich noch nicht geſehn! entgegnete Egon, der an dem fremden Orte all ſeinen Trotz in kindliche Bangigkeit umgeſetzt hatteaber ich möchte gern wiſſen, ob alle Prin⸗ zeſſinnen ſo ſo ausſehn wie Du?

Alle lachten. Jeder fühlte, der Knabe hatte blos nicht das Wort für ſeine Huldigungen. Die Prinzeſſin ließ es ſich