Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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zu Gunſten Deiner Lieblinge mich erſt etziehn. Mein Vater machte es ähnlich mit meinem früh verſtorbenen Bruder; ward er heftig und ungeduldig, rieth er ihm, augenblicklich in die höchſte Wuth zu gerathen, zu ſchlagen, zu ſchimpfen, ſich zur Erde zu werfen. Das alterirte den Knaben. Erſtaunt hörte er zu. Er ſah plötzlich, wohin er hätte kommen können, und weil er das natürlich nicht gewollt hatte, bekam er gegen den Fehler, der ihm ſo grell vorgemalt ward, Abſcheu! Ich ſah ihn nach ſolchem Korrektionsmittel ſich meinem Vater in die Arme ftürzen und ihn weinend liebkoſen und ſeinen Fehler abſchwören.

Ich habe gegen eine zärtliche Umarmung Deinerſeits gar nichts, meine liebe Claudia, erwiederte die Prinzeſſinſehe aber nicht ein, was Du anderes mit Deinem Spielzeug anfan⸗ gen willſt. Dieſe Erſcheinung iſt mir auch ſo wenig neu, daß ich Dich verſichern kann, es werden jährlich einige hundert Kinder in Frankreich zu dieſen Zwecken verbraucht.

Verbraucht! rief Claudia ſchauderndDu biſt eine fürchterliche Moraliſtin mit Deiner Jronie.

Verbraucht ſage ich deshalb, weil ich nicht eigentlich glaube, daß aus ſo Etwas Menſchen werden. Ich denke, ſie kommen um; ich weiß nicht, ob an Mandeln, an Roſinen oder Fußttitten. Ich fragte eine Herzogin: wo der allerliebſte Page ſei, der ihre Füße wärmte und ihre Apfelſinen ſchälte? Sie klingelte ihter Kammerfrau, denn ſie konnte ſich nicht darauf beſinnen, wo er hingekommen. Dieſe kramte, wie nach alten Bändern und Spitzen, in ihrem Kopfe herum; dann ging ſie zum Haushofmeiſter und fragte nach dem ſchönen Kinde, deſſen Locken die Herzogin vor noch nicht vier Wochen geringelt und ihn joli mignon und mon petit coeur genannt hatte. Der arme Knabe war erkrankt man hatte ihn nach dem Waiſenhauſe ge⸗ bracht, dort war er geſtorben.Ach pfui! rief die Herzogin ihrer Kammerfrau zuwie kannſt Du mir ſo Widriges erzählen!