Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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und uns damit ihre endlichen uns befremdenden Schickſale er⸗ klären, ſo gilt daſſelbe von den Schickſalen ganzer Stände, ganzer Nationen! Sie behaupten ſich, von innerer Verderbniß untergraben, in ihren Rechten nur ſcheinbar nach Außen, bis die heilſamen Welterſchütterungen, die wie rächende Engel ihren Umzug halten und endlich an jedem morſch gewordenen Gebäude rütteln, es zuſammen ſtürzen und wenigſtens die große Wahr⸗ heit dem verſinkenden Moder entſteigen laſſen, daß es keinen ewigen Beſitz giebt. Nur der immer wiederkehrende Frühling des menſchlichen Geiſtes, der auch auf dem Aſchenhaufen, den die zerſtörende Lava über die verlorene Pracht ſtreut, ſich aufs Neue anſiedelt, übt die Kraft aus, den Beſitzſtand des Men⸗ ſchen im Allgemeinen auf dieſer Erde zu verewigen.

Ei! ei! ſagte Georg Preywo habt Ihr die Er⸗ fahrung des Greiſes hergenommen? Das ſind ſchwere hoch⸗ wichtige Betrachtungen, von denen es ſich fragt, ob es gut iſt, ſie ſo ſcharf zu beleuchten und den daraus gefolgerten Schlüſſen eine Anwendung zu geben, die vielleicht dem höchſten Willen entgegen iſt.

Was uns der Wahrheit nahe bringt, entgegnete Lach, was zur Erkenntniß unſerer gebrechlichen menſchlichen Natur führt, kann nie mit dem höchſten Willen in Widerſpruch ſtehn, denn alle Vorſchriften für unſer Heil laufen in der großen Er⸗ mahnung aus: Erkenne Dich ſelbſt! So lange wir uns ſcheuen werden, den Uebeln bis an ihre Wurzel nachzuſpüren, ſo lange unſer hochmüthiger Korporationsgeiſt nur dahin wirken wird, die Rohheiten unſeres Gleichen zu bemänteln, ſie zu läugnen, ſie anderer Natur finden zu wollen, ſie eher zu dem geziemenden heitern Uebermuth zu zählen, den wir uns gern zugeſtehn, als ſie zu den Gemeinheiten zu rechnen, die wir nur für eine an⸗ dere Klaſſe der Geſellſchaft möglich halten wollen ſo lange wird das Gift, an dem die höheren Lebensrichtungen erſterben,