Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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Stamm die Kraft dazu beſitzt. Der errungene Beſitz iſt immer ein Stillſtand und dieſer die größte Verführung für die Schwä⸗ chen der menſchlichen Natur. Was von dem Beſitz großer Mittel ausgehend, zuerſt eine fröhliche und oft mit ſo viel Geiſt ver⸗ bundene üppige Benutzung des Lebens iſt, wird, durch mehrere Generationen hindurch verfolgt, dennoch leiſe abwärts führen. Freigebigkeit wird Verſchwendung, der hohe, Glanz liebende Kunſtſinn wird in elende Prunkſucht oder in die Ueppigkeit aus⸗ arten, die mehr leibliche als geiſtige Genüſſe befriediget. Die Zeit wird als das läſtigſte Material des Lebens mit allen Mit⸗ teln der Ueppigkeit um ihren Antheil betrogen. Phyſiſche und moraliſche Entartung, von den Vorrechten noch bedeckt, welche die Tugenden der Vorfahren erringen halfen, wird in dieſer Ungeſtörtheit fortwuchern, und nach und nach werden uns die Individuen überraſchen, die aus dieſer nach Außen noch geſi⸗ cherten Verderbtheit ins Leben treten und den Namen, den ſie tragen, um alle daran geknüpften ehrenden Erinnerungen zu betrügen ſcheinen.

Ach, welch' trauriges Bild! rief Claudia bewegt.Es müßte ja Zweifel erregen an dem ſchönen Stolze, ſich einer alten Familie zugehörend zu wiſſen!

Wir werden wenigſtens erkennen lernen, theure Claudia, daß wenn wir Urſach zu dieſem Stolze haben, wir es Denen danken, welche mit ſtrenger Weisheit erkannten, daß es eben ſo viel Kraft, Thätigkeit und Mäßigung in den dargebotenen Genüſſen bedarf, das Errungene zu erhalten, als ſeine Ent⸗ ſtehung zu begründen; daß Vorzüge der Geburt immer aufs Neue von jedem einzelnen Individuum durch Verdienſte beſtä⸗ tigt werden müſſen, wenn ſie nicht eine Uſurpation des Vor⸗ rechts werden ſollen, welches dann ihr ſtärkſter Ankläger werden wird, und den Spott wie die Verachtung rückſichtslos auf ſich lenken muß. Aber wenn wir einzelne Familien ſo betrachten