hatte die einflußreichſten Erfahrungen in dem jetzt verödet vor ihm da liegenden Palaſte gemacht, und ſein Oheim, dieſer wahrhafte Ehrenmann, der keine Beziehung des Lebens kannte, die ihn von der Strenge und Rechtlichkeit, die ſein ganzes Weſen durchdrang, abzulöſen vermochte, ahnte nicht, wie der Fürſt Morani, den er von gleichen Geſinnungen erfüllt hielt, ſeinem Neffen die Lehre geben würde, daß hinter einem liebenswürdi⸗ gen, geiſtvollen Aeußern ein hartes Herz und die größte Ge⸗ wiſſenloſigkeit liegen könne. Als die verkauften und verpfändeten Beſitzungen des einſt ſo reichen Hauſes Morani keine Hülfsmittel mehr darbieten wollten für die Summen, die immer wieder auf⸗ genommen werden mußten, um den angewöhnten Glanz zu behaupten, wurden mit lachendem Munde die unwürdigſten Täuſchungen wie Scherze erdacht, die Darleiher damit ihres Eigenthums beraubt und zahlloſe Perſonen in unverſchuldetes Unglück geſtürzt. Seine edle Tochter, die mehrere Heiraths⸗ anträge ablehnen mußte, um die Lage ihres Vaters nicht fremder Einſicht bloß zu ſtellen, ſah er an ſeiner Seite ohne alle Vor⸗ würfe verblühen, nichts bedenkend, als daß ſie ihm für den Augenblick die angenehmſte und bequemſte Gefährtin war, und als er endlich durch Krankheit gefeſſelt ſeine Angelegenheiten in ihre Hände niederlegen mußte, forderte er von ihr die Erhal⸗ tung deſſelben frevelhaften Aufwandes, obwol er wußte, er be⸗ raube ſie damit jeder Stütze für die Zukunft, und werde ſie bei ſeinem Ende, was er vorausſah, am Bettelſtabe zurück laſſen. Aber neben dieſen Schattenſeiten beſaß er hinreißend liebens⸗ würdige Eigenſchaften und war durch ſeine Freigebigkeit und Gefälligkeit, durch ſeine Sanftmuth und anſcheinende Güte ein Gegenſtand der Liebe und Verehrung.
Während der Graf mit der fliegenden Schnelligkeit des Gedankens dies Bild des Verſtorbenen, welches ſich ihm in einem jahrelangen, faſt täglichen Umgange offenbart hatte,


