23
Der junge Graf genoß mit vollen Zügen den Eindruck dieſes ſchönen Momentes und indem er die Erhebung fühlte, die einer tieferen Auffaſſung der Natur ſelten fehlen wird, verſchwanden die Schatten, die ſich um ſeine Stirn gelagert hatten, und er bekam das alte belebende Gefühl ſeiner glücklichen und bedeu⸗ tenden Stellung zur Welt. Kräftig richteten ſich alle groß⸗ artigen Pläne und Wünſche in ihm auf und gaben ihm eine freudige Erhebung. Er wendete ſich nach dem Gitter zurück, und da der alte Diener den erſten Schellenzug überhört zu haben ſchien, wiederholte er ihn jetzt noch einmal, und ließ das Auge auf der Eingangsthür des dahinter ſich erhebenden Schloſſes ruhen. Dieſes war ein langes Beſitzthum der, eigentlich vene⸗ tianiſchen Urſprungs ſich rühmenden Familie Morani. Es war zu Anfang des ſiebenzehnten Jahrhunderts von Octavio Bur⸗ naccini und im Karakter der damaligen Mode erbaut. Die Hauptfront, die nach dem Hofe, und die gegenüber liegende, die unmittelbar an den Garten ſtieß, waren von röthlichem ſalzburgiſchen Marmor, und die ſchwerfälligen Verzierungen von grauem und weißem Marmor. Die Zeit hatte nicht geſäumt, die grellen Kontraſte dieſes Materials in eine übereinſtimmendere Farbe unzuwandeln und trug wohlthätig dazu bei, dieſe gleich⸗ mäßig verbreitete Vermiſchung, wie die überladene Ausſtattung ieder einzelnen architektoniſchen Vnie, zu einer größeren Maſſe zu verſchmelzen. Wellenartig bogen ſich an der Hauptfront des Bauwerks, in der Mitte und an den Seiten einzelne Theile vor, bildeten in Innern halbrunde Zimmer und gaben die eirunde Form des Flurs, in welchem die künſtlich geſchwungenen Trep⸗ pen emporſtiegen. Die Eingangsthür war von einigen ver⸗ fänglichen Säulen geſtützt, deren gemiſchte Ordnung keine große Strenge verrieth; ſie waren aber auch mit einer ſolchen Ueber⸗ ladung heraldiſcher Zeichen und dieſe durch ſo ſchwerfällige Blumenketten und Engelgeſtalten verherrlicht, daß von ihrem


