Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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des Vorplatzes erhob und das höhere Alter dieſer Beſitzung be⸗ zeugen half. Er zog die Glocke, und da kein Portier mehr das leere Eingangs⸗Häuschen bewohnte, er auch genau wußte, daß der einzige hochbetagte Diener dieſes Hauſes nur langſam den Weg über den gepflaſterten Vorplatz zurücklegen könne, lehnte er ſich gegen das Gitter des Hofes und blickte unter dem Schutz einer alten Linde ſinnend in die vor ihm ausgebreitete Landſchaft.

Der warme Sommertag wich jetzt der duftigen Kühle des Abends, aber die ganze Natur ſtand noch lautlos ſtill, erſchöpft von den glühenden Strahlen der Sonne, die der wolkenloſe Himmel während des langen Tages ohne Unterbrechung aus⸗ gegoſſen. Die Zweige der alten Lindenbäume, die das Innere des Hofes im Halbkreis umzogen, hingen ſchwer von duftenden Blüten nach allen Seiten hernieder; die Bienen nahmen ſchei⸗ dend mit wohlbehaglichem Summen die letzten Tröpfchen zu ihrer reichen Ausbeute, und man ſah ſie dann gegen den klaren Abendhimmel, den die finkende Sonne am Rande glühend um⸗ ſäumte, die Reiſe heimwärts antreten. Jenſeit des Fahrweges in dem Gärtchen vor dem Hauſe des Jägers ſtanden die Roſen in voller Blüthe; über das niedere Dach hinweg ſah man in ein Kleefeld, deſſen volle violette Blumen den erquickenden Ge⸗ ruch von Waſſer und Kühlung ausathmeten. Dahinter zeigte ſich der ſchmale Streif eines Kornfeldes, deſſen reife Aehren in den letzten Sonnenſtrahlen wie Gold glänzten. Ueberall war der Ausdruck eines überſchwenglich reichen Naturlebens. Alles ſchien fertig, ſchien den höchſten Punkt ſeiner Entwickelung erreicht zu haben, und indem man faſt berauſcht von dieſer ver⸗ ſchwenderiſchen Fülle und Schönheit war, fühlte man zugleich mit einer Art Wehmuth, es ſei der Höhepunkt des Sommers mit allen ſeinen Reizen erreicht, und umgeben von ſeiner Vol⸗ lendung habe man nichts mehr zu erwarten, als Abſchied neh⸗ mend dem langſamen Verſchwinden ſeiner Schätze zuzuſehen.