Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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Thomas Thyrnau von ſeinen Geſchäften getrieben oft in Prag ſeinen Aufenthalt nehmen mußte, ſeine Familie dennoch zuletzt auf dem Stammgute bei meinem Oheim ganz einheimiſch wurde und der Advokat immer mit der alten Freude dorthin zurück⸗ kehrte. Sehr wohl erinnere ich mich noch des alten Hauſes, wo ſie gewohnt hatten; es lag am Ende des großen Thiergar⸗ tens und ſtand zu meiner Zeit leer. Wenn wir jagten oder ſpazieren gingen, zeigte mir mein Oheim ſtets von fern dies Haus, welches das Dohlenneſt genannt ward; aber nie ging er vorüber oder trat ihm näher. Hatte er mir erzählt, wie einig er einſt mit deſſen Bewohnern gelebt, ſchwieg er dann nur um ſo länger ſtill, und als ich anfing zu beobachten, ſah ich, wie das wehmüthigſte Nachdenken ſich auf ſeiner Stirn lagerte, und wie er an ſolchen Tagen ſich ſtets in ſeine Zimmer zurückzog. Nur einmal fragte ich ihn: wo denn alle dieſe lieben Menſchen geblieben wären? Da ſagte er mit allen Zeichen unverjährten Kummers:Todt! Todt! Alle todt! Ich und Thomas, wir haben Beide Weib und Kinder begraben ſehen, und ſind unter tauſend Schmerzen alt geworden! Seitdem fragte ich ihn nie wieder, denn ich konnte die Trauer nicht vergeſſen, die ſein Angeſicht ausdrückte, als er dies ſprach.

Das ſind wirklich ſeltſam widerſprechende Umſtände, rief der junge Baron ernſter als ſeine Art wardenn dieſe Tren⸗ nung der beiden Freunde läßt doch kaum den Verdacht zu, daß das ſonderbare Teſtament unter dem perſönlichen Einfluſſe von Thomas Thyrnau entſtanden ſein könnte.

Ich verließ meinen Oheim in meinem achtzehnten Jahre, und fing meine Studien auf der Univerſität Leipzig an, und zwar mußte ich meinem Oheim verſprechen, ohne Unterbrechung die drei Univerſitäten zu beſuchen, die er für mich gewählt hatte. Ich mußte mich von ihm und von der Heimath auf ſo lange trennen, als meine Styudien dauern ſollten.