Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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warſt und das ganze Teſtament in geiſtesſchwachen Stunden abgefaßt ſein kann. Der junge Graf ging ein paar Mal nachdenkend durch's Zimmer, dann blieb er vor ſeinem Freunde ſtehen und ſagte, ſeine ernſten Augen lebhaft zu ihm aufſchlagend:Ich kann nicht! Es iſt mir unmöglich, dieſem Thyrnau ein ſolches Ver⸗ brechen zuzutrauen! Wir kennen uns beide nicht perſönlich, denn obwol er der Rechtsanwalt unſerer Familien war, ſo lange er überhaupt praktizirte, war doch in den früheren Jahren meiner Anweſenheit bei meinem Oheim, eine Entfremdung zwiſchen Beiden eingetreten, die ihren geſelligen Verkehr aufgehoben hatte. Aber deſſenungeachtet ſprach mein Oheim von Thomas Thyrnau nie anders, als von einem theuren Jugendfreunde; nie anders als mit der größten Hochachtung von ſeinem Karak⸗ ter, ſeinen Fähigkeiten, ſeinen hohen Tugenden! Freilich be⸗ zeichnete er oft einen einzigen Fehler, einen Fehler, den er nie unterließ, an die große Kette der Lobeserhebungen zu reihen, die er ſtets ſeinem Namen hinzufügte und dieſer einzige Fehler macht mich jetzt, trotz der Abneigung, die ich gegen die⸗ ſen Verdacht empfinde, gegen einen Mann mißtrauiſch, an welchem ſonſt kein Makel zu finden iſt. Dieſer Fehler iſt Stolz! Eitelkeit ſelbſt nannte ihn mein Oheim; ein unbegrenztes An⸗ kämpfen gegen die Vorrechte unſeres Standes; ein dünkelvolles Erheben des perſönlichen Verdienſtes, und unter dieſen Bedin⸗ gungen ein gewiſſes Gleichſtellen, das mein adelſtolzer Oheim nicht immer in der Laune wgr, ertragen zu können. Ob die Kälte und Zurückhaltung, die damals unter beiden Männern vorherrſchte, in ſolchen Reibungen ihren Grund hatte, oder, wie ich geneigter bin zu glauben, in einer bedeutenderen Störung zwiſchen ihnen liegen mochte, habe ich nie erfahren. Doch er⸗ zählte mir mein Oheim oft, wie die Familie des Advokaten und die unftige früher in ſo großer Einigkeit gelebt, daß, obwol