„Lieber ließe ich mich zerhacken und zerſtampfen,“ rief der Baron—„oder zöge als Bänkelſänger durch's Land, oder ginge unter Trenks Panduren, oder ſchnitte dem erlauchten Grafen von Kaunitz die Federn und zöge ſeine zwanzig franzöſiſchen Uhren auf! Herzensliebſter Lacy! Du wirſt Dich doch von Advokaten⸗Kniffen nicht einſchüchtern— nicht um Dein unver⸗ letzbares rechtmäßiges Eigenthum betrügen laſſen?“
Die Stirn des jungen Grafen röthete ſich etwas.„Ich fühle mich nicht eingeſchüchtert,“ ſagte er mit etwas gepreßter Stimme—„und denke, dies Gefühl ſoll mir immer fremd bleiben. Verwechſele damit nicht die Scheu, den letzten Willen eines Mannes anzugreifen, dem ich alles verdanke, was ich bin. Mein Oheim war der edelſte, großartigſte Mann, den die Erde tragen kann. Seine Fehler ſelbſt, das heiße Blut der Lacy, ward bei ihm die Treibhausglut ſeiner Tugenden. Aber er war zugleich der adelſtolzeſte Mann; vergraben unter Stammbäumen und Geſchlechtsregiſtern und von den Ahnen unſeres Hauſes, wie von einer Schaar geharniſchter Geiſter umgeben. Aber wenn das Gefühl, auf eine lange Reihe ausgezeichneter Vor⸗ fahren blicken zu können, zu der Veredelung eines Nachkommen beittagen kann, ſo ſah ich bis zum achtzehnten Jahre, wo ich ſeinen Ungang genoß, dies in dem erhabenen Greiſe verwirk⸗ licht; und wenn dieſe Jugendeindrücke und jedes ſeiner Worte mich auf dieſe ſtolze Stellung hingewieſen haben, ſo wirſt Du vielleicht jetzt beſſer den Eindruck erkennen, den mir ſein letzter Wille machen muß, der allen Ueberzeugungen ſeines Lebens ſchroff gegenüber ſteht.⸗ 2
„Um ſo mehr würde ich an der Wahrheit dieſes letzten Willens zweifeln— um ſo mehr alles dieſem Thomas Thyr⸗ nau zuſchieben! Gerade was Du mir eben mitgetheilt, be⸗ ſimmt mich noch mehr, die ganze Sache für einen Advokaten⸗ Streich zu halten, beſonders da Du bei ſeinem Tode abweſend


