11
genug, Herr Staatskanzler,“ ſprach ſie plötzlich, ganz Kaiſerin werdend— wir wollen dieſe Mirakel nicht zum Nachtheil unſerer heutigen Geſchäfte weiter verfolgen— wir erwarten Euren Vortrag!“
Der Graf ordnete die mitgebrachten Papiere, und der Vortrag nahm ſeinen Anfang.
Der Gegenſtand der eben mitgetheilten Unterredung, der junge Graf von Lach— Wratislaw— wie die Familie ſich jetzt zu Ehren der böhmiſchen Beſitzungen der Aeltermutter nannte— war am ſelben Tage in ſeinem Arbeitszimmer und las mit gefurchter Stirn in einem langen, eng geſchriebenen Briefe, deſſen Inhalt keineswegs leichter oder erfreulicher Art ſein konnte, denn es waren in dem ſchönen jugendlichen Ange⸗ ſichte alle Zeichen unangenehmer Aufregung ausgedrückt. Jetzt ſchien er damit zu Ende gekommen, er ſtand unmuthig auf, öffnete ein Fenſter und ſah nachdenkend in den kleinen Garten des Hauſes; er wandelte dann wieder durch das Zimmer, ſetzte ſich nieder, ſah einzelne Stellen im Briefe nach— es ſchien aber daſſelbe zu bleiben.*
Doch beſaß er nur ſehr ſelten die Eigenheit, in Selbſtge⸗ ſprächen ſich zu erleichtern, und ſo blieb dem Uneingeweihten ſein Zuſtand ein Geheimniß, bis ſich die Thür des Kabinets raſch öffnete und der junge Baron von Pölten leicht und fröhlich herein ſchlüpfte.
„Für mich gilt doch die Parole nicht, die Du an Deinen Kammerdiener gegeben! rief er heiter—„für mich biſt Du doch zu Hauſe?“
„Wenn Du nicht ſelbſt vor meinem finſtern Geſicht ent⸗ fliehſt!“ erwiederte Lach, ſichtlich durch des Barons Eintreten


