Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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Nun! nun! wie läßt ſich denn das an? rief die Kaiſe⸗ rin, ſich eifrig vorbiegendwas glaubt Ihr denn oder was ſagte er darüber? Hat er noch Eltern oder Geſchwiſter?

Weder das Eine noch das Andere, erwiederte Kaunitz. Mir hat ihn Baron Binder zuerſt empfohlen. Er ſtudirte damals zu Regensburg die Reichspraxis, zu welcher er bereits in Leipzig und Leyden einen guten Grund gelegt; und da er geſonnen war, einen letzten Kurſus zu Wien abzuhalten, lud ihn Baron Binder in ſein Haus, wo er ihn ſo vortheilhaft kennen lernte, daß er ihn mir empfahl. Auch ich theilte bald die Vorliebe des Barons, und da er die lebhafteſte Neigung empfand, zu reiſen, ſchlug ich ihm vor, mich nach Paris zu begleiten. Er willigte ein, und ein näheres perſönliches Ver⸗ hältniß entſtand nun, welches mich beſtimmte, ihn mit mir nach Aachen zu nehmen. Um ihn mir hier nützlicher zu machen, nahm er auf meinen Wunſch eine Art Titel an, und hier erſt, bei ſeiner entſchiedenen Weigerung Gehalt zu nehmen, erfuhr ich, daß er keine bindende Verpflichtungen eingehen dürfe, ver⸗ möge teſtamentariſcher Verfügungen ſeines Oheims, deſſen unmittelbarer Erbe er war, da ſein Vater und der einzige Sohn ſeines Oheims früher ſtarben. Seit unſerer Rückkehr hat er mir mehr geſtanden und meine Nachrichten über ihn lauten ſonderbar genug. Er hat ſich einer Dame gewidmet, von der man kaum glauben ſollte, daß ſie den ſchönſten Kavalier, den jugendlichen Mann von acht und zwanzig Jahren, zu feſſeln vermöchte.

Alſo eine Liebesgeſchichte, ſagte die Kaiſerin kalt.Das alte Hinderniß aller jungen Leute!

Ob man es ſo nennen darf, möchte ich doch kaum wagen zu behaupten. Euer Majeſtät mögen ſelbſt urtheilen: Es iſt die einzige nachgelaſſene Tochter des alten Fürſten Morani, des Kammerherten Seiner hochſeligen Majeſtät des Kaiſers.