Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

gefunden, erſt ſeitdem ich ihn zu dieſem ſchriftlichen Aufſatz er⸗ muthigt und von ſeiner klaren Darſtellung auf die Wahrheit ſeiner Ueberzeugungen zu ſchließen Urſache fand, erſt ſeitdem abe ich geglaubt, könne ſeine Perſon ein Recht zur Berückſich⸗ tigung Eurer Majeſtät finden.

Die Kaiſerin hörte mit leiſem Nicken des Kopfes der ſiche⸗ ren Entgegnung ihres Miniſters zu. Ihr eignes großes Herz war bis auf den Grund von dem vorherrſchenden deutſchen Nationalzuge, von Wahrheit und Offenheit, durchdrungen, und wo ſie ihn bei ihren Umgebungen ohne Anmaßung und Rohheit hervortreten fand, hatte er ſich ihrer Nachſicht, ja ihres Beifalls zu erfteuen. Die hohe Achtung, die Kaunitz ihr dabei mit vollem Rechte einflößte, die oft erlebte Ueberzeugung von dem Werthe ſeiner Rathſchläge und Beſ chlüſſe, ſelbſt wenn ſie dieſelben anfänglich nicht einſehen konnte, ließ ſie, faſt immer ſchon mit der Hoffnung, ihm beitreten zu können, auf ſeine Verthei⸗ digungen horchen, und gerade für ihn ſchien ſie ſich dies verräthe⸗ riſche Ricken mit dem Kopfe angewöhnt zu haben, worin der Graf ſeine Anerkennung erkannte, noch ehe ſie die Lippen öffnete.

Es will uns ſelbſt ſo als am zweckmäßigſten einleuchten, ſagte ſie dann mit dem Lächeln der Genehmigung,und wir wollen ſehn, ob wir jetzt dieſen Mann ſo geſ chickt benutzen kön⸗ nen, als Ihr, mein lieber Graf, ihn uns geſchickt vorbereitet habt. Vielleicht ſchlägt er es doch uns nicht ab, irgend eine Stelle anzunehmen, die ihn uns bequemer nähert.

Dazu iſt in dieſem Augenblick noch wenig Ausſicht, ſagte der Graf.Er iſt, wenn auch ftei und unabhängig durch ſeine bedeutenden Beſitzungen, doch nicht unabhängig von ſeinen Familien⸗Verhältniſſen, wie es ſcheint. Dieſe ſtellen ihn unter auffallende Bedingungen, und ich habe nicht erfahren, ob ſie für ihn ſelbſt in geheimnißvolles Dunkel gehüllt ſind, oder ob er ſie mir nur ſo erſcheinen läßt.