„Er iſt nur weitläufig mit unſerm tapfern Reiter⸗Haupt⸗ mann verwandt,“ ſagte Kaunitz.„Auch ſeine Voreltern leiten ihre Familie aus der Zeit Wilhelm des Eroberers her, und längere Zeit muß die Familie des jungen Mannes in England verblieben ſein. Erſt ſein Urgroßvater übernahm, mit all' den Seinigen England verlaſſend, die Beſitzungen in Böhmen, die ihm von ſeiner Mutter, einer böhmiſchen Fürſtin Wratislaw, überkommen waren. Außer dieſen erſten, ſich ähnlichen Stammnachrichten haben aber beide Familien keine Verwandt⸗ ſchaft nachzuweiſen.“
Nachſinnend fuhr die Kaiſerin fort, den Namen wie für ſich zu wiederholen. Ich glaube,“ ſagte ſie dann lauter,„die Prinzeſſin Thereſe hat mir den jungen Mann genannt, und ich vermuthe, er iſt ſchön, oder galant, oder etwas der Art.“
„Ihre Durchlaucht die Prinzeſſin ſind allerdings Kennerin! ſonſt würde ich ihn nur für jung und ſchön halten; übrigens für zu ſolide faſt— überhaupt für einen Sonderling,“ erwie⸗ derte Kaunitz.
„Doch warum zeigt ſich der junge Mann ſo wenig bei Hofe, daß wir dadurch in den Fall kommen, uns ſeiner nicht erinnern zu können?“
Weil er ein Sonderling iſt, Euer Majeſtät, aber einer von den Brauchbaren, die eben deshalb ein weiteres Feld über⸗ ſehen lernten, auf welchem ſie durch Anſtrengungen einheimiſch werden wollen. Er macht pedantiſche Forderungen an ſich ſelbſt, und wenn ich ihn nutzen will, muß ich ihn zugleich gewähren laſſen. Ich kann ihn nicht feſſeln, wie Andere wohl; er iſt zu unabhängig, und hat die unangenehme Eigenſchaft nichts zu wollen.“
Die Kaiſerin lächelte, obwol ſich auf dem Antlitz des Gra⸗ fen keine Miene zeigte, die dies veranlaſſen wollte.„In Wahr⸗ heit, das iſt eine unbequeme Eigenſchaft,“ ſagte ſie dann.


