Ihr mir brachtet. In der That, ſie iſt gut— es iſt Schärfe der Auffaſſung drinnen— nicht unnützer Wortkram— die Dinge treten heraus— es iſt nicht der Verfaſſer, oder dieſer und jener, der das bemerkt und darthut— es iſt die Sache ſelbſt, die redet und ſich erklärt.“
Während dieſer Anrede war der Graf, der niemals eine Sache die andere übereilen ließ, mit den drei vorgeſchriebenen Verbeugungen fertig, und ſtand jetzt mit ſeiner geraden, feſten Geſtalt vor dem Schreibtiſche der Kaiſerin, der Beide trennte, und während aus dem blaſſen, mienenloſen Geſichte ſein Auge mit der Schärfe eines Adlers ſchaute, ſagte er mit der ihm eigenthümlich deutlichen und ſcharfen Betonung:„So dachte ich,— und wagte daher dieſen Aufſatz, der keinen officiellen Karakter hat, der nur ein Studium, eine Uebung des jungen Mannes zu nennen iſt, dem hinzuzufügen, was Euer Majeſtät bereits über dieſen Gegenſtand geſammelt haben.“
„Es iſt vielleicht das Brauchbarſte,“ ſagte Maria Thereſia — weil es eben ohne den Gedanken geſchrieben iſt, vor unſer Auge zu kommen. Der junge Mann iſt feſtzuhalten, Kaunitz— ubeſchäftigen— Ihr ſolltet ihn Euchzuziehen— er muß empfäng⸗ lich ſein für eine große Schule— ſein Kopf iſt aufgeräumt!“
„Er begleitete mich nach Paris und Aachen,“ erwiederte der Graf.„Ich war geneigt, ihn die Dinge arbeiten zu laſſen, zu denen ich perſönliches und geſichertes Vertrauen bedurfte. Er verſtand, die Notizen, die ich während der Konferenzen in meine Gedächtnißtafel zeichnete, mir geordnet an einander zu reihen.“
Ah!“ rief die Kaiſerin—„r hat alſo ſchon ſeinen Platz gefunden!— Und dürfen wir ſeinen Namen wiſſen?“
„Es iſt der Graf von Lacy!“ erwiederte Kaunitz.
Wie?“ fragte die Kaiſerin,„Lach? Lacy? Ein Bruder unſers tapfern Hauptmanns? Iſt dieſe Familie ſo reich an aus⸗ gezeichneten Männern?“


