Teil eines Werkes 
7. Band, Thomas Thyrnau : 1. Theil (1855)
Entstehung
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gleichmäßigen, weiſen und jedes Individuum wahrhaft ſchützen⸗ den Geſetzgebung zu vereinigen.

Sie verfuhr dabei wie eine gute Mutter mit verwöhnten Kindern. Sie beſtrebte ſich, ihr wahres Bedürfniß in allen Beziehungen kennen zu lernen und die Berichte, die ſie von Seiten der verſchiedenſten Perſonen zu veranlaſſen wußte, prü⸗ fend mit einander zu vergleichen, um ſelbſt in der Seele der bewußtlos mit Uebeln Kämpfenden für die Hülfe zu entſcheiden, die ſie für ſie als gut erkennen mußte. Sobald ſie aber bis zu dieſem Punkte der Entſcheidung gelangt war, handelte ſie auch mit der ſtolzen Wahrhaftigkeit und Entſchiedenheit ihres Karakters; ſie ſprach aus, was ſie geben und nehmen wollte, forderte Ge⸗ horſam, und erzwang ihn, wo er unverſtändig verweigert wurde.

Das Aktenſtück, welches in dieſem Augenblicke die Auf⸗ merkſamkeit der Kaiſerin feſſelte, enthielt die Anſicht eines jun⸗ gen Adligen über Böhmen, ein Land, welches vorzugsweiſe das Nachdenken der Kaiſerin in Anſpruch nahm, da es bedeutend im Kriege gelitten und von innern Hemmungen an einem ſchnelle⸗ ren Aufſchwung, ungeachtet der vorhandenen Hülfsmittel, ge⸗ hindert ſchien.

Sie hatte die ſorgfältige Durchſicht der Schrift beendigt und indem ſie ſich erhob, zeigten ihre Züge den ruhig klaren Ausdruck, der von einer innern Befriedigung entſtehend, jedes Angeſicht verſchönt. Ihr helles Auge richtete ſich auf die Ein⸗ gangsthür wie fragend, warum ſie ſich nicht öffne, und man hätte dieſem Blicke wol die Zauberkraft zutrauen mögen, die der Zufall herbeiführte, denn die Thür öffnete ſich wirklich, und der Graf von Kaunitz, dieſer große und würdige Theil⸗ nehmer ihrer erhabenen Herrſcherpläne, trat, wie es ihm geſtattet war, unangemeldet in dies Heiligthum ſeiner Gebieterin.

Ihr kommt zur rechten Zeit, rief die Kaiſerin ſogleich, rich habe ſo eben die Durchſicht der Denkſchrift beendigt, die