Teil eines Werkes 
3. Theil (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

529

haben und was ſie einrichteten, ward eine Muſter⸗ wirthſchaft genannt, und zu jeder Zeit konnte man dort einkehren und fand Guntram und Baͤbili und das ganze Haus bis auf die Staͤlle in glaͤnzender Ordnung, und ſogar in einer gewiſſen koketten Eleganz.

Die Kaiſerin blieb den Familien, die ſie als Muſter eines tugendhaften Lebens aufſtellte, ſtets in großen Gnaden gewogen und ſchenkte ihnen gern jede Verguͤn⸗ ſtigung, welche die unabhaͤngigen Verhaͤltniſſe derſelben zulaſſen wollten.

Thomas Thyrnau endlich blieb bis zu ſeinem Ende der Mittelpunkt Aller, die ſich ſeine Kinder nann⸗ ten, in den Verband ſeiner Liebe aufgenommen ſein wollten und auf das Beiſammenſein mit ihm einen ſo hohen Werth legten, daß als er den Wunſch aus⸗ ſprach, das Dohlenneſt nicht mehr zu verlaſſen, Alle den Winterfreuden Wiens entſagten und ſich um ihn in Tein verſammelten. Er erreichte ein hohes Alter bei vollig ungeſchwaͤchten Geiſteskraͤften. Er war der ſchoͤnſte Greis und ſeine Haltung aufgerichtet, und ſeine Stirn heiter bis zu ſeiner letzten kurzen Krankheit.

Sein Verhaͤltniß zur Kaiſerin und zu Kaunitz blieb ſehr ausgezeichnet und doch ſehr eigenthuͤmlich. Er korreſpondirte mit Beiden. Sie zogen ihn zu Rathe und ſelten ward in Bezug auf Boͤhmen etwas unter⸗

Thomas Thyrnau III. 3te Aufl. 34