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hatte ihr das Herz gebrochen— ſeitdem erſt ſchien ſie ihr veraͤndertes Schickſal ganz zu fuͤhlen, und die Kraft war aus ihrer Bruſt gefloſſen; Magda hatte ſich erſt begriffen, als die Angſt fuͤr Andere ſie verlaſſen. Mit welcher tiefen Sorge dachte Thyrnau nun des Aufent⸗ halts, dem ſie ſich nahten, der dem verwoͤhnten leiden⸗ den Kinde ein Gefaͤngniß werden ſollte. Er dachte nicht mehr ſie zu entfernen, denn was daruͤber zu denken und zu thun war, das hatte ſich Alles vergeblich gezeigt an dem unbeſiegbaren Willen des feſten Kindes— und indem ſein Auge ſie muthlos bewachte, war es das muͤßige und doch nie aufgegebene Beſtreben der väter⸗ lichen Liebe, die wunde Stelle zu entdecken, auf der ein Liebesblick das Weh zu lindern vermoͤchte.
Oft— wo der Weg anſtieg und die Natur ſich einladend zeigte, hatten ſie den Wagen verlaſſen, und bei der achtungsvollen Schonung, die blos einen Reiter zu ihrer Bewachung geſtellt— fand jede Einrichtung Gehor, die der Gefangene vorſchlagen wollte.
Vor ihnen klomm der ſchwerfaͤllige verſchloſſene Wagen Berg an und Thyrnau erfuhr, daß dieſer Fels⸗ weg auf eine der vier Berghoͤhen fuͤhrte, in deren Keſ⸗ ſel das Plateau ſich erhob, auf dem der merkwuͤrdige und hiſtoriſch bedeutende Karlſtein erbaut war. Es war alſo der letzte Tag ihrer Freiheit, in einer Stunde
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