Teil eines Werkes 
1. Theil (1845)
Entstehung
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nnern verbunden, hatte jedes nach dem Blumengarten

noch eine Flögelthur, die mit ihren Scheiben dem Zim⸗ mer Licht gab. Beide waren auf gleiche Weiſe in fei⸗ nem Holze getäfelt und durch zierliche Vergoldungen verſchoͤnt. Alle Meubles waren in derſelben Art wie die Waͤnde; einfach fuͤr die Anſicht der gewohnten Aus⸗ ſtattung, glaͤnzend fuͤr die Lage, der die Kinder ſo eben erſt entruͤckt waren.

Beide waren nach einem behaglichen Bade zuerſt in

die Kleider gehuͤllt worden, die ihnen nun zugetheilt

werden ſollten, und es war das feine Gefuͤhl der Fuͤr⸗ ſtin zu erkennen, daß die erſte Veraͤnderung darin in dem ſchmuckloſen, blendendweißen Nachtkleide beſtand, welches die ſchonen Geſtalten wie Engelsgewaͤnder von den Schultern an in weiten Falten verhullte. Man trat vom Garten aus zuerſt in die geoffnete Thuͤr, die nach Hedwiga's Zimmer fuhrte, welches dicht neben dem Schlafgemach der Fuͤrſtin lag. Im Hintergrunde ſtand das kleine Bett, von dem die Vorhaͤnge weit aufgeſchla⸗ gen waren; der Mond erhellte die duftenden Blumen⸗ beete vor dem Zimmer mit ſeinem klaren Licht, und der Widerſchein beleuchtete das ſchoͤne Kind. Die warme Nacht und der Schlaf nach dem aufregenden Tage hat⸗ ten die Wangen und Lippen des Kindes mit dem gluͤ⸗ hendſten Roth gefaͤrbt. Die Decke war zuruckgeſchla⸗

Thomas Thyrnau. I. zte Aufl. 26