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könnte mit Intereſſe und Liebe, ein ſo edel organiſirtes Weſen von ihren Irrungen zuruͤck zu fuhren, fuͤr einen ſchoͤnen Lebensberuf anſehn.“ 8
„Ach,“ ſagte Claudia—„wenn Ihr liebenswur⸗ diger Eigenſinn Sie nun daran voruͤber gefuͤhrt hat und Sie kein Gefuͤhl der Art mehr zu verſchenken ha⸗ ben, warum koͤnnen wir Beide durch die gleich ſchoͤne Kraft der Freundſchaft nicht noch fuͤr die theure Ver⸗ irrte wirken? Im Ganzen haben Maͤnner auf meine Couſine groͤßeren Einfluß als Frauen. Bemuͤhen Sie ſich um die Freundſchaft des verirrten Weſens, theurer Lach, und dann wollen wir ihr vereint zu Huͤlfe kom⸗ men. Vielleicht gelingt uns noch Manches.“
„Sie ſind noch immer unſchuldig und unerfahren wie ein Kind, liebe Fuͤrſtin,“ ſagte Georg Prey— „und nehmen nach dieſem Sinn auch Ihre Maaßregeln. Es iſt dem Geiſtlichen, der das Ohr der Beichte leihen muß, nicht geſtattet, ſich den Sinn alſo zu erhalten: denn waͤhrend er die Suͤnder anhoͤren muß um ihnen den Troſt und die Heiligungen der Kirche angedeihn zu laſſen, wird er leider davon unterrichtet, in welchen Verzweigungen und Verſuchungen das Boͤſe uͤber die Erde ſchleicht, und in tiefer Demuth befeſtigt ſich da die Ueberzeugung von der großen Schwaͤche der menſch⸗ lichen Natur. Schoͤn iſt es, mit der Verſuchung kaͤm⸗


