Teil eines Werkes 
1. Theil (1845)
Entstehung
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das ihr ſchoͤnes reiches Weſen erkennen und lieben lernte, und um den viel groͤßeren Beſitz dieſes Schatzes es getroſt mit den kleinen Maͤngeln aufzunehmen be⸗ ſchlſſe, die dann ſich als ſolche in Wahrheit zeigen und von ihr abfallen wuͤrden, wie ein entſtellendes Gewand von einem ſchoͤnen Koͤrper. O Lacy! es bleibt ein Vor⸗ wurf, den ich nicht unterdrucken kann daß ſie Nie⸗ mand ſo liebte!

Sie ſah ihren Verlobten bei dieſer edlen Entgeg⸗ nung mit ſo wunderbar bewegten Blicken an, daß er lächelnd ihre Hand faßte und ausrief:Macht mir meine Claudia denn daraus einen Vorwurf, daß ich ſie nicht habe?

O Lacy, ſagte die Fuͤrſtin noch in derſelben Stimmungich habe es moͤglich gehalten, daß Sie ſie liebten, und habe ſie Ihnen gegoͤnnt! Was kann ich Hoͤheres fuͤr meine Ueberzeugung von ihr ſagen? Ihr hattet Euch in Frankreich kennen gelernt durch ſie durch ihre Briefe erfuhr ich zuerſt von Ihnen. Daß ſie von Ihnen in einem andern Tone ſprach, als von der Maſſe, die ſie umgab, das ließ mich hoffen, ſie werde in Ihnen ihren Meiſter finden. Ich ſah Sie dann ſelbſt und obwol durch Sie mein ganzes inne⸗ res Weſen verwandelt ward, ſo geſtattete ich doch den Wuͤnſchen meines Herzens keinen Raum fuͤr's Leben