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Gefuhl— ganz Seele! das wird in der Welt herzlos — coquett— boshaft genannt, und iſt jeder Verleum⸗ dung Preis gegeben!“
„Theure Beichttochter,“ ſagte Georg Prey„es hat Vieles neben einander im Menſchen Platz! Viel⸗ leicht haben Jene, welche die liebe Prinzeſſin alſo zuͤchtigen, eben ſo wenig ganz unrecht, als wir, die wir derſelben im Grunde ihres Innern ein zum Guten befaͤhigtes Herz und eine große Gabe des Geiſtes zu⸗ trauen. An beiden Ausſpruͤchen ſchuldet die ſchoͤne Dame ihr Theil, und weder wir, noch Jene werden von ihr berechtigt, den Sieg davon zu tragen.“
„Aber die,“ fuhr Lacy fort, als der gute Pater ſchwieg—„die dies ungemein befaͤhigte Weſen ſich ſelbſt uͤberließen und auf den gefaͤhrlichſten Standpunkt der Erde verſetzten, die werden es zu verantworten haben, daß dieſer Streit zwiſchen Recht und Unrecht jetzt ſchon in ſo boͤſen Gewohnheiten wurzelt, daß der Sieg fur das Gute eine zweifelhafte Hoffnung bleibt.“
„O mein! o nein!“ rief Claudia.„O ſein Sie nicht zu hart! Sie iſt der ſchoͤnſten Entwicklung faͤhig, ſie iſt vielmehr reif dazu! Dieſe Gewohnheiten ſind nur kleine aͤußere Uebelſtaͤnde und hemmen, ihr ſelbſt zum Ueberdruß, ihre freie Entwicklung. Ach, wollte Gott, daß ihr ein edles maͤnnliches Herz erweckt wurde,


