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Die Kaiſerin ließ ſich unterdeſſen von der Prinzeſſin den Abend bei den Brautleuten erzaͤhlen, und hatte kei⸗ nen Zorn uͤber die verlorne Schuͤrze, denn die Prin⸗ zeſſin wuͤrzte ihre Mittheilung mit einer ſolchen Fuͤlle anmuthiger Scherze, daß die hohe Frau ihr mehr wie ein Mal den Tribut eines Laͤchelns zahlen mußte. Am andern Morgen aber erhielt die Prinzeſſin eine neue koſtbare Schuͤrze von der Kaiſerin, und in der Taſche ſteckte ein Rollchen Gold, worauf die Worte ſtanden:
Fuͤr meinen Käſe⸗Engel zu Waͤmmschen und Rock.“
„Das dachte ich,“ rief die Prinzeſſin lachend— „O dieſe kluge Kaiſerin! gleich ſieht ſie ein, daß, wenn ich meine Florſchuͤrze opfere, um die groben Kleider der Kleinen zu verhuͤllen, es ihr zuſteht, etwas weiter zu gehen. Wie ſoll es auch die arme Claudia machen? Ich ſtehe dafuͤr, ſie nimmt noch nichts von Lach an, und hat am Ende Schulden gemacht zu ihrer jetzigen Aus⸗ ſtattung; denn was ſie mir da fabelt von Summen, die der Herr Fuͤrſt Papa noch verdient haben ſoll und die jetzt vom Himmel gefallen— das glaube, wer kann!“
Mit welcher Ruͤhrung uͤberlegten unterdeſſen die edlen Freunde im Palaſt Morani den Zuſtand der Prinzeſſin Thereſe, der ſie Alle auf verſchiedene Weiſe angezogen und bewegt hatte.
„Ach,“ rief Claudia—„und dies Weſen— gans


