und dem Leben wieder verſohnen. Warum will Keiner dem verlockten Weibe die Hand reichen und es heilen und retten? Warum will ſelbſt der groͤßte Sunder die Fleckenloſeſte— warum der Edelſte nie der Retter ſein? — Ich habe demnach Recht, ſie zu haſſen, ſie zu ſtra⸗ fen, zu verlocken; denn Keiner wagt uͤber die eherne Mauer des Egoismus einen Schritt hinaus! Nun wohl, ſo will ich leben, um ihnen das Widerſpiel zu halten, und das tiefe Elend, was ich mir damit bereite, ſei die Kraft, die mich treibt!“
Der Wagen hielt. Sie eilte zu den Gemaͤchern der Kaiſerin.„Ohne Schuͤrze! en demi habillée?“ ſagte die Grafin von Fuchs, mit einem tiefen Knir zwiſchen die Prinzeſſin und die Kaiſerin tretend.
„Gnade! Gnade!“ rief die Prinzeſſin, die Haͤnde uͤber die alte Graͤfin hinweg nach der Kaiſerin ausſtrek⸗ kend—„ich habe den Kaͤſe⸗Engel Eurer Majeſtaͤt hinein geſteckt!“
„Sie iſt doch die intereſſanteſte Perſon am ganzen Hofe!“ ſagte Franz der Erſte.„Es faͤllt immer etwas mit ihr vor. Wenn ſie erſcheint, denke ich oft: nun, was wird's heute ſein?“
Wie ſehr waren augenblicklich alle Maͤnner des Kai⸗ ſers Meinung, waͤhrend die Damen uͤberlegten, wie ſie es machen konnten, daß auch mit ihnen etwas vorfalle.


