Teil eines Werkes 
1. Theil (1845)
Entstehung
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welche Empfindungen gerade dieſe Klage neben dem An⸗ blick ihrer Schoͤnheit, neben dem Eindruck ihres Geiſtes erregte! Sie hatte ſich ſeitwaͤrts uͤber die Lehne ihres Stuhls gebogen; ihre Augen waren von der tiefen Be⸗ wegung ſo gluͤhend blau; ſie konnte vielleicht nicht ſchoͤ⸗ ner ſein. 8 Claudia blickte unbeſchreiblich geruͤhrt zu ihr hin. Sie reichte ihr die Hand, ſie ſah ſie zaͤrtlich an.O, Thereſe, ſagte ſie dann ſanftwie ſchwer machſt Du es uns, gerade ſo, wie wir Dich vor uns ſehen, an Deine Behauptung zu glauben. Wer haͤtte Dich nicht

lieben muͤſſen, wem Du vollends das Gluͤck Deiner

Erwiderung ſchenkteſt!

Und doch iſt es ſo! ſagte die Prinzeſſin in ihrer wunderlich tragiſchen Offenherzigkeit gedankenlos weiter redend.Erfaßte mich der Gegenſtand, zwang er meinem Gefuͤhl dieſe Hingebung ab, dann liebte ich auch mit allen Kraͤften meiner Natur. Dann war dieſe Liebe das luckenloſeſte Zellengewebe des Gefuhls dann häͤtte aus meiner Liebe das Gefuhl ſelbſt de⸗ ducirt werden koͤnnen und dann belebte ich mit dieſer vollſtändig entwickelten Gewalt eine Zeitlang den Gegen⸗ ſtand zu meiner eignen Taͤuſchung, bis mir plotzlich, von dem alten Fluche, der mich verfolgte, der Blitz⸗ ſtrahl der Erkenntniß kam und die Gewißheit, nicht ge⸗