Teil eines Werkes 
1. Theil (1845)
Entstehung
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geſetzter Irrthum iſt, der muͤſſen Andere auch dar⸗ unter leiden doch Keinem tiefere Wunden ſchlaͤgt, als mir ſelbſt. Wenn Du die Beſchuͤtzerin der Herzen ſein willſt, die ſich mir unerwidert ergaben haſt Du da nie gedacht, wer dies Herz beſchuͤtzte, wenn es dem Irrthum, dieſem Fluche meines Lebens, eben ſo unter lag wie Jene? Die Thoren haben mich geliebt und Gegenliebe gefordert, und ich ſah ihnen arglos beluſtigt zu, oder ich machte aus Angſt vor ihrer Liebe mecha⸗

niſch ein wenig ihre Kapriolen nach. Es war ein dum⸗

mes Mitleiden, vielleicht ein wenig Schaam in ihrer Seele. Ausgeglichener ſchien mir ihr thoͤrichtes Weſen, wenn ich es zu theilen ſtrebte. Aber wer hielte die Luͤge aus, wenn ſie nur dem Andern Vortheil bringt? Wenn der Ueberdruß kam und ich die Schellenkappe abſtreifte und ſie mit bitterem Hohne jagte dann hieß es wie ich die zu feſſeln ſuche, die ich doch nicht liebe. Und wo gab es ein wilderes Ungeheuer in der Natur als mich? Sieh', Claudia! mit wenigen Wor⸗ ten ſei's geſagt: Wo ich liebte, ward ich nicht wieder geliebt wo ich geliebt ward, liebte ich nicht wie⸗ der! Willſt Du nicht um mich weinen, fromme Seele?

Wer koͤnnte beſchreiben, mit welchem erſchoͤtternden Ausdruck von Wahrheit ſie dieſe Worte ſprach und